Stoff für die Zukunft

Stoff für die Zukunft

Wie kaum ein anderer Industriezweig spiegelt die Textil- und Bekleidungsindustrie die weltweite Vernetzung auf wirtschaftlicher Ebene wider. Zuletzt hat sich das Geschäft mit der Mode durch den Onlinehandel stark verändert. „Unsere Kundinnen nutzen Online-Shops, um sich vorab zu informieren, Preise zu vergleichen und sich einen Überblick über das Angebot zu verschaffen“, bestätigt Tino Wieser, Vorstand der Palmers Textil AG.
 


„Oft kommt eine endgültige Kaufentscheidung, nach Vorinformation im Web, erst mit der Anprobe der Produkte in den Filialen zustande.“ Das Wäscheunternehmen Palmers ist in Österreich so bekannt wie keine andere Textilmarke und genießt nicht zuletzt dank seiner legendären Plakatkampagnen über die Grenzen hinweg eine hohe Popularität. 1914 von Ludwig Palmers gegründet, ist das Unternehmen seit 2015 im Eigentum der P Tex Holding GmbH – und somit der Brüder Marc, Tino und Luca Wieser. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, haben sie ihr Geschäftsmodell erfolgreich erneuert und sich auf Nischen spezialisiert. „Wir arbeiten intensiv an der Modernisierung von Palmers“, erzählt Wieser. „Ein neuer Filial- und Online-Auftritt ist ein wesentlicher Teil davon, Kern der Markentransformation ist das Produkt.“ Vor allem das in den letzten Jahren etwas angestaubte Image und das bieder gewordene Design sollen neu belebt werden. Im Fokus steht dabei ein modernes Frauenbild, das man in digitalen Medien transportieren will. „Wir sehen an den Auswertungen, vor allem aber am direkten Feedback unserer Kundinnen in den sozialen Netzwerken, dass wir in diesen Medien eine neue Zielgruppe moderner junger Frauen ansprechen, die mit klassischen Medien nur mehr bedingt erreichbar sind“, erklärt Wieser. Der neue Online-Auftritt von Palmers setzt daher auf ein internationales und jüngeres Publikum, dem ein zeitgemäßes Online-Shopping-Erlebnis geboten wird. „Danach folgt die Einführung von Services wie Click & Collect: Bestellt wird online, die Ware aber im Shop abgeholt“, so Wieser. „Aber zuerst erhalten natürlich die Kollektionen ein kräftiges Facelift!“

 

Innovation und Kreativität


Mit einem Exportanteil von rund 80 Prozent ist der heimische Textilsektor nach wie vor eine wichtige Säule in der Ausfuhrstatistik. „Österreich hat sich in der Serienproduktion lohnintensiver Mode aber längst als Industriestandort verabschiedet“, sagt Harald Rossegg, Geschäftsführer von Licona Wien.
 

„Unsere Ziele können daher nur Bildung, Innovation und Kreativität sowie das Fördern von Ideen und Design sein.“ Licona hat damit reichlich Erfahrung: Seit der Gründung im Jahr 1928 setzt das Familienunternehmen auf die Förderung junger Talente. In den 1960er- und 70er-Jahren wurden die österreichischen Olympia-Teams für Grenoble und Sapporo ausgestattet, bis in die Achtziger war Licona erste Wahl für Promis wie Peter Alexander, Rennfahrerlegende Jochen Rindt oder Fürst Rainier von Monaco. 1988 produzierte das Fashionunternehmen die erste Kollektion des späteren Couture-Superstars Helmut Lang. Mittlerweile ist Licona Kult und bleibt mit den Kreationen etwa des Designer-Teams Gregor Pirouzi ­(Versace) und Hermann Fankhauser (Wendy & Jim) am Puls der Zeit. „Man reüssiert am Markt nur durch eine klare Aussage der Kollektion in Kombination mit höchster Beratungskompetenz und absoluter Kundenorientierung“, meint Rossegg. „Und je basiclastiger die Kollektion, umso spürbarer ist der Druck aus Fernost. Unsere Herausforderung ist das Management des Zusammenspiels von Design und Produktentwicklung in Österreich mit der Produktion in China, Indien oder Vietnam. Ohne Qualitätsabstriche und mit optimalem Transporthandling.“ Die zunehmend starke Konkurrenz durch den Onlinehandel kann man damit aber auch nicht eindämmen. „Im hochwertigen Bereich – bei Licona etwa Anzüge mit exklusiven Stoffen – gilt Webshopping bloß als Orientierung. Dennoch ist im stationären Modehandel alles von den Zuwächsen im Online-Sektor überschattet“, konstatiert Rossegg. „Glücklicherweise sind wir bei unserer Schwesterfirma Topas mit Schwerpunkt auf Corporate ­Fashion davon völlig unberührt.“ Topas produziert schließlich seit Jahrzehnten erfolgreich die Uniformen von Polizei, Bundesheer, Justiz und anderen öffentlichen und halb öffentlichen Betrieben und Konzernen.

Dem globalen Druck, der von den Billiglohnländern im asiatischen Raum ausgeht, kann sich auch die Linz Textil nicht entziehen. „Grundsätzlich gilt für die Textilindustrie, dass kein einheitliches Bild gezeichnet werden kann“, konstatiert Geschäftsführer Otmar Zeindlinger. „Das eine Unternehmen kämpft vielleicht ein bisschen, dafür schreiben andere Firmen wieder Erfolgsgeschichten! Fast durchwegs für alle gilt jedoch, dass eine längerfristige Planung kaum mehr möglich ist.“ Immer öfter kommen die Aufträge kurzfristig und sind wenig vorhersehbar, was ein strukturiertes Wirtschaften über einen längeren Zeitraum erschwert. Dennoch kann sich das international tätige Unternehmen, das sich auf die Produktion von Garnen und Rohgeweben spezialisiert hat, aufgrund seines langjährigen Know-hows sowie des Einsatzes modernster Technologien am Markt behaupten. „Wir legen größten Wert auf Qualität, Innovation und hohe Serviceorientierung in Dienste der Kunden“, so Zeindlinger. Das hat sich auch beim Tochterunternehmen Vossen bewährt, das mittlerweile zu den führenden Herstellern hochwertiger Frottierwaren in Europa zählt. „Zusätzlich sorgt unsere Eigenkapitalquote von über 85 Prozent für eine ausreichende Stabilität, die angesichts der speziellen Risikosituation in der Textilindustrie notwendig ist.“ Das Marktumfeld ist und bleibt aber auch weiterhin herausfordernd. „Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen hat die Linz Textil in der Vergangenheit gezeigt, dass eine textile Produktion in Österreich möglich und erfolgreich sein kann.“

 

Damast für Afrika


Als Nischenplayer mit Fokus auf Innovation hat sich auch das traditionsreiche Familienunternehmen Getzner am schwierigen Textilmarkt durchsetzen können. „Die Getzner Textil AG hat sich nie davor gescheut, sich weiterzuentwickeln, neu zu erfinden und mutig zu sein“, erzählt Josef Lampert, CEO bei Getzner Textil AG.
 

Das Unternehmen mit Sitz in Bludenz hat trotz rückläufiger Absatzzahlen im stationären Handel selbst schwierige Auslandsmärkte erobert und sich mit Spezialprodukten weltweit einen Namen gemacht. „Eines unserer besonders begehrten Produkte ist Damast-Bekleidung, die vor allem in Westafrika großen Absatz findet“, erklärt Lampert. „Heute ist unser Unternehmen in dem schmalen Segment Weltmarktführer. Die Exportquote liegt bei 98 Prozent.“ Technologisches Know-how für den perfekten Glanz und trendige Dessins begründen hierbei den Erfolg. „Kontinuierliche Innovationen bei höchstem Qualitätsstandard und noch nicht ausgeschöpfte Marktsegmente bilden für die Afrika-Sparte die Grundlage für weiteres Wachstum“, so Lampert. Zu den wichtigsten Exportländern zählen Mali, Senegal, Benin, Mauretanien, aber auch die Schweiz, Deutschland, England und Italien. „Wir sind sehr nah am Markt und investieren viel in den Bereich der Trend- und Marktforschung“, erzählt der CEO. So entdeckte das Familienunternehmen auch den jüngsten Umsatzbringer: die Produktion von technischen Textilien. „Besonders stolz sind wir auf unsere ultraleichten und hochfesten Spinnaker für Großjachten sowie die Entwicklung von Akustikgeweben für Innenräume.“ In dieser Nische stößt das Unternehmen auf eine sehr robuste Nachfrage und kann am internationalen Markt immer mehr Anteile erobern.

 

Der perfekte Arbeitsschuh


Erfolgreich geblieben ist trotz harter Konkurrenz aus Fernost auch das Familienunternehmen Schütze-Schuhe. Vor über 90 Jahren als kleine, handwerkliche Schuhmacherwerkstätte in Tragwein gegründet, hat sich der Familienbetrieb mittlerweile zu einem High-Tech-Unternehmen entwickelt. Auf die Fertigung von Arbeitsschuhen spezialisiert, kommt aus der Mühlviertler Innovationsschmiede unter anderem belastbares Schuhwerk mit hitzeresistenten Sohlen, mit denen Straßenbauarbeiter bis zu einer Stunde auf 140 Grad heißem, frisch aufgetragenem Asphalt stehen können, oder rutschfeste Schuhe, die den Träger auch auf Dächern und/oder rutschigen Böden, wie etwa in Produktionshallen, sicher stehen lassen.
 

„Wir produzieren Premiumqualität für Profis und verbinden bei unseren Speziallösungen modernste Technologien mit den bewährten Traditionen des Schuhmacherhandwerks“, erläutert Thomas Schützeneder das Geheimnis des Erfolgs. Längerfristig setzt sich nämlich in diesem Bereich die kompromisslose Qualität gegen Billigproduktionen durch. „Sicherheitsschuhe sind ein Verschleißartikel. Ist die Tragdauer kurz, wird das billige Produkt schnell teuer“, so der Geschäftsführer. E-Commerce ist bei Schütze-Schuhe noch kein großes Thema. „Unsere Kunden bevorzugen nach wie vor das persönliche Gespräch vor Ort“, stellt Schützeneder fest. „Wir werden uns den neuen Vertriebskanälen nicht verschließen, sehen aber die Zukunft in einer Kombination aus persönlicher Beratung und einem effizienten Online-Bestellsystem.“ Die ständige Weiterentwicklung und Optimierung des Produktes steht dabei an erster Stelle. „Für uns ist es wichtig, im Qualitätsbereich an der Spitze zu bleiben.“ Seine Hausbank, die Raiffeisenlandesbank OÖ, unterstützt ihn dabei. Ebenso wie die vielen Branchenkollegen, die ihren Platz in der globalen Textilindustrie gefunden haben.

 

Wettbewerbsfähig

Die österreichische Textilindustrie hat eine lange Tradition und zählt heute rund 286 Unternehmen. Die Branche hat 12.000 Beschäftigte und eine Exportquote von rund 80 Prozent. Auch in der Lederverarbeitung blickt Österreich auf eine lange Tradition zurück. Fast 34 Unternehmen mit rund 1.600 Beschäftigten erwirtschaften jährlich einen Produktionswert von rund 1 Mrd. Euro, den Großteil davon im Export.

Ihr Unternehmen steht im Mittelpunkt

Unser Ziel ist es, alle Rahmenbedingungen zu berücksichtigen und zielgerichtete, individuelle Lösungen zu finden. Mit  kreativen Ansätzen und Ideen stellen wir uns gemeinsam auf die Chancen der Zukunft ein.

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