Werkstoffe der Zukunft - Das Material, aus dem die Zukunft entsteht

Werkstoffe der Zukunft

Alt, aber gut: Österreichs Unternehmen sind weltweit ganz vorne dabei, wenn aus Eisen, Aluminium, Stahl und thermoplastischen Kunststoffen innovative und umweltgerechte Werkstoffe für die Zukunft entwickelt werden.

 


Ist Eisen ein Werkstoff der Zukunft? „Unbedingt, Eisen wird auch künftig omnipräsent sein“, ist Karl-Georg Assl, CFO der Carbones Holding GmbH, überzeugt. Der Trend gehe natürlich in Richtung leichtere und feste Werkstoffe, meint Assl, und selbst wenn seitens der EU mehr Regularien auf die Industriekonzerne zukommen, so ändere dies nichts am Bedarf auch an sehr festem Trägermaterial – und da führt an Eisen kein Weg vorbei. Carbones ist im internationalen Rohstoffhandel tätig und handelt mit Roheisen, Eisenbriquettes, Magnesium bzw. Magnesiumlegierungen und Magnesiumgranulat sowie Anthrazit. Der wichtigste Umsatzträger ist aber Roheisen, das als Rohstoff für die Stahlerzeugung und die Gießerei-Industrie dient. Und auch die Preissituation spreche für Eisen.

 

"Wer seine Forderungen an ein Factor-Institut abtritt, erhält rasch Liquidität."

Karl-Georg Assl, CFO Carbones Holding GmbH
 

Carbones fungiert für die Endkunden als Lagerhalter und Bank, denn das Unternehmen finanziert die Ware bis zum Auslieferungslager vor, weshalb ein entsprechend hoher Finanzierungsbedarf gegeben ist. Zur Zwischenfinanzierung kooperiere man häufig mit der Raifeisenlandesbank OÖ. Möglich sei diese Vorgangsweise, weil Carbones das Instrument Factoring einsetzt. „Wer seine Forderungen an ein Factor-Institut abtritt, erhält rasch Liquidität, mit der man beispielsweise normale Bankfinanzierungslinien rückführen kann“, führt Fachmann Assl aus, der vehement für einen globalen Schulterschluss in Sachen Umweltauflagen eintritt. Denn die große Herausforderung bestehe darin, überall „mit dem Kunden und Lieferanten zu gehen“. Die zweite große Herausforderung sind geopolitische Veränderungen. „Dennoch bieten wir unseren Kunden Lieferverpflichtungen nach dem Just-in-Time-Prinzip“, merkt Assl an.
 

Gekauft wird der Rohstoff in Ländern wie etwa der Ukraine, Brasilien, Venezuela und Libyen. Vertrieben wird hauptsächlich in Europa, daneben ist Carbones aber auch in Ländern wie Ägypten und Mexiko vertreten. Lagerorte für Magnesium und Magnesiumprodukte in allen Haupthäfen Europas ermöglichen prompte Lieferungen. Ü̈berdachte Lagerplätze auch für Anthrazit garantieren jederzeit eine trockene Auslieferung. Der große, aktive Kundenstock von Carbones – mit ca. 400 Gießerei- und Stahlindustrieproduzenten weltweit – spricht für sich, darunter sind Unternehmen wie die italienische Arvedi Gruppe, die österreichische Böhler Edelstahl, voestalpine, Georg Fischer sowie non ferrum GmbH, der Technologiekonzern ZF und die Daimler AG zu finden.

Alltägliches Leichtgewicht

Ein im Vergleich mit Eisen sehr  junges Metall ist  Aluminium. Dank seiner universellen Einsatzmöglichkeiten findet sich Aluminium heute fast überall, sei es im Verkehrssektor, im Bauwesen oder im Maschinenbau, selbstverständlich in der Elektrotechnik und nicht zu vergessen in der Verpackung (Stichwort Alufolie).
 

„2015 wurden 56 Millionen Tonnen Primäraluminium, das Ausgangsmaterial für alle weiterführenden Produktionsschritte, produziert. In nur 20 Jahren hat sich dieser Wert verdreifacht“, macht Helmut Wieser, Vorstandsvorsitzender der AMAG Austria Metall AG, aufmerksam. Der Markt für Walzprodukte werde nach Prognosen (CRU Aluminium Rolled Products Market Outlook, August 2016) kontinuierlich steigen: von 24 Millionen Tonnen 2015 auf rund 30 Millionen Tonnen 2020. Im Transportbereich soll das jährliche Wachstum sogar doppelt so hoch – bei acht Prozent p. a. – liegen. Die Haupteinsatzgebiete der AMAG-Produkte sind die Automobil- und Flugzeugindustrie, Sportartikel, Elektronik und Maschinenbau, Architektur, der Einsatz bei Kühlern und Wärmetauschern und eben Verpackungsfolien.

"Die AMAG setzt in der Aluminiumproduktion auf Wachstum und Nachhaltigkeit. In nur 20 Jahren hat sich der Markt für Primär-Aluminium verdreifacht."

Helmut Wieser, Vorstands-Vorsitzender der AMAG Austria Metall AG

Vorrang für Leichtbau

Die Raiffeisenlandesbank OÖ war bereits beim Börsengang der AMAG im April 2011 ein wichtiger Partner, heute ist sie nach Aufstockung der Anteile mit 16,5 Prozent ein Kernaktionär, mit Heinrich Schaller, dem CEO der Linzer Bank, als stellvertretendem Vorsitzenden des Aufsichtsrats. Die AMAG versteht sich als „Premiumproduzent mit einem hohen Anteil an Spezialprodukten, der rund 60 Prozent erreicht, und mit führender Position im Bereich der nachhaltigen Produktion“, betont Wieser.
 


Denn im Werk in Ranshofen stelle Aluminiumschrott 75 bis 80 Prozent des Einsatzmaterials dar; die Elektrolyse Aluminerie Alouette Inc. in Kanada – AMAG ist mit 20 Prozent beteiligt – produziert mit Strom aus Wasserkraft und mit im Industrievergleich geringem Energieverbrauch, wie es heißt. Und so sieht sich die AMAG sehr gut für die Anforderungen aus einem stark wachsenden Markt mit steigender Nachfrage nach Spezialprodukten aufgestellt. Dem Thema Nachhaltigkeit werde u. a. mit der Veröffentlichung des umfassenden Nachhaltigkeitsberichts unter dem Leitmotiv „Wertschöpfung durch Wertschätzung“ Rechnung getragen. Nachhaltigkeitsbestrebungen in der Automobilindustrie, etwa durch vorgegebene CO2-Werte, kommen dem Austro-Konzern zugute, weil dem Leichtbau Vorrang eingeräumt wird. „Eine große Rolle für unsere künftige Wettbewerbsfähigkeit wird auch die Digitalisierung spielen“, sagt Wieser. Stichwort: „Industrie 4.0“, für Wieser die „intelligente Vernetzung von Entwicklung, Produktion, Logistik und Kunden“. Deshalb sei auch der Ausbau der Produktionskapazitäten so existenziell für die „Future Fitness“ gewesen – die AMAG fährt derzeit das ambitionierte Programm „AMAG 2020“.

Zukunftsbranche Mobilität

Ganz auf das Thema „Mobilität” setzt derzeit auch die voestalpine, denn „Mobilität ist ein wesentlicher Innovationstreiber und ein internationales Wachstumsfeld von uns“. Die Zukunftsbranche stelle 48 Prozent des Konzernumsatzes (Zielvorgabe: 50 Prozent bis 2020), die voestalpine sei einer der führenden Luftfahrtzulieferer in ihren Produktbereichen weltweit, Marktführer bei Weichentechnologie und Spezialschienen sowie mit Produkten in fast allen Automobilkomponenten vertreten. Und so setzte der Technologie- und Industriegüterkonzern den nächsten Meilenstein für den automobilen Leichtbau: Am Standort Schwäbisch Gmünd – in unmittelbarer Nähe zu zahlreichen Automobilkunden – wurde im Juli 2016 die erste Anlage für „phs-directform“ eröffnet.


„Wir können ab sofort pressgehärtete, höchstfeste und korrosionsbeständige Karosserieteile aus verzinktem Stahlband in einem Prozessschritt, also im direkten Verfahren, fertigen“, präsentiert Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG, die Weltneuheit. Der Markt für automobile Leichtbaukomponenten werde sich bis 2025 auf ca. 100 Milliarden Euro etwa ­verfünffachen, ist Eder überzeugt. Die voestalpine – die Raiffeisenlandesbank OÖ Invest GmbH & Co OG ist mit 13,3 Prozent Anteilen einer der größten Einzelaktionäre – sei der einzige Konzern weltweit, der in der Lage ist, pressgehärtete, verzinkte Bauteile sowohl im indirekten als auch im direkten Verfahren zu produzieren.

"voestalpine will mit automobilen Leichtbaukomponenten wachsen. Mobilität ist für uns ein wesentlicher Innovationstreiber."

Wolfgang Eder, CEO der Voestalpine

Dekarbonisierung der Stahlproduktion

Auch die voestalpine will dabei den Umweltschutz nicht vernachlässigen. Man gelte in der Branche bereits seit Längerem als Umwelt- und Effizienzbenchmark. Eder: „Die Stahlstandorte Linz und Donawitz sind durch einen integrierten Energiekreislauf, bei dem die in der Stahlproduktion anfallenden Prozessgase in eigenen Kraftwerken in Strom umgewandelt werden und dieser dann in den nachgelagerten Anlagen verwendet wird, beinahe stromautark.“
 


Auch im Kunststoffsektor lassen neue Produktionstechnologien aufhorchen. Die Greiner Holding hat dafür einen Kredit im Rahmen des aws erp-Technologieprogramms in Anspruch genommen. Die Gelder aus diesem Fonds kommen insbesondere industriellen Forschungs- sowie Entwicklungs- und Innovationsprojekten zugute.

 

„Neben dem Technologiegehalt ist entscheidend, dass das förderungswerbende Unternehmen auch über die notwendigen Problemlösungskapazitäten verfügt“, erklärt Hannes Moser, Finanzvorstand der Greiner Holding. Beim geförderten Projekt handelt es sich um ein neues Feld für Greiner, den Einstieg in das Kaffeekapsel-Geschäft. Für Greiner, wo experimenteller Entwicklung mit dem Ziel, neue oder verbesserte Produkte und Verfahren zu generieren, ein sehr hoher Stellenwert eingeräumt werde, seien derartige Förderungen natürlich sehr wichtig; die Raiffeisenlandesbank OÖ habe sich dabei seit vielen Jahren als kompetenter Finanzierungspartner erwiesen, der bei der Umsetzung rasch und unbürokratisch zur Seite stehe.

Präzisionswerk Kaffeekapsel

Das Ergebnis: eine Kapsel, die, so Moser, nicht nur beim Kaffeegeschmack, sondern auch in Bezug auf Nachhaltigkeitsaspekte neue Standards setzt. „Der Produktionsprozess beginnt mit der Extrusion der Folie, aus der die Kapseln tiefgezogen werden. In die Mitte jeder Kapsel wird ein Loch gestanzt, durch das der Kaffee ausfließen kann. Passgenauigkeit ist hierbei oberste Prämisse. Ebenso bei der Kante am Boden der Kapsel, die zur Einlage eines Siebes dient“, erklärt der Experte. Nur ein präziser Produktionsprozess erlaube eine einwandfreie Weiterverarbeitung der Kapseln. Dies alles geschieht unter Einsatz vollautomatischer Kamerasysteme, auch das Verpacken passiert vollautomatisch und berührungslos, der Ausschuss ist minimal. Spezielle Barrieretechnologien garantierten bestes Aroma und lange Haltbarkeit. Die Kapseln bestehen aus dem Kunststoff Polypropylen, mit der „Multi Barrier Technology“ wird eine höhere Sauerstoffbarriere bei Verpackungen erzielt.

 

"Die RLB OÖ ist seit vielen Jahren unser kompetenter Finanzierungspartner."

Hannes Moser, Finanzvorstand Greiner Holding

Material- und Formenvielfalt seien insgesamt essenziell: Denn jedes Material bietet spezielle Vor- und Nachteile, die auf den Einsatzbereich des Kunden optimal abgestimmt werden können. Die Formenvielfalt  helfe, den einzigartigen Verpackungsvorteil für die Kunden an deren Point of Sale zu kreieren. Denn: Der Konsument ist schnell – er trifft in nur wenigen Sekunden seine Kaufentscheidung.

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