Afrika

Der unterschätzte Kontinent

Afrika - Der unterschätzte Kontinent

Mit dynamischen Märkten, einer rasch wachsenden Mittelschicht und erheblichen Energieressourcen gilt Afrika als Zukunftshoffnung der Exportwirtschaft.

Rund 1,2 Milliarden Menschen leben zurzeit in Afrika, die Hälfte jünger als 25 Jahre alt – und konsumfreudig. Bereits 300 Millionen Afrikaner gehören der Mittelklasse an. Tatsächlich schaffen hohe Wachstumsraten, steigende Auslandsinvestitionen und verbesserte Rahmenbedingungen großes ökonomisches Potenzial. Österreichs Engagement auf dem südlichen Nachbarkontinent ist allerdings noch gering. Gerade mal 0,44 Prozent aller Direktinvestitionen und nur zwei Prozent aller Exporte gehen nach Afrika. Dazu zählen die Produkte der Greiner Holding AG. „Unsere Spartengesellschaft Greiner Extrusion Group liefert bereits seit 2008 Extrusionslinien, Werkzeuge und Komplettanlagen für die Profilextrusion nach Nordafrika, aktuell nach Algerien“, berichtet Axel Kühner, Vorstandsvorsitzender der Greiner Group. Seit 2015 betreibt die Greiner Packaging International zudem einen eigenen Standort in der Türkei und beliefert von dort aus auch den nordafrikanischen Markt, hauptsächlich mit Kunststoffbechern, die nach Libyen und Ägypten verkauft werden. „Für den Erfolg am afrikanischen Markt benötigt man hohe Flexibilität“, so Kühner. „Es ist wichtig, lokales Management einzusetzen, um die Menschen vor Ort zu verstehen.“ Der Markt sei zwar sehr dynamisch, aber auch volatil. „Es ist schwierig, vorauszuplanen. Die Reaktionen sind teilweise unberechenbar. Manchmal geht man drei Schritte vorwärts und einen wieder zurück.“ Die Unterschiede in Afrika sind so riesig wie der Kontinent selbst. Korruption ist verbreitet, das Improvisationstalent und die fast schon übertriebene Gastfreundschaft von Geschäftspartnern sind beeindruckend. „Im Business mit Nordafrika steht man vor vielen Herausforderungen. Es ist kein großer Markt, sondern es sind viele kleine, fragmentierte Märkte“, schildert Kühner. „Da braucht es nicht einen, sondern viele individuelle Ansätze zur Marktbearbeitung.“

Roadmap to Africa

Seit einigen Jahren drängen internationale Autozulieferer nach Afrika, das macht den Kontinent auch für österreichische Unternehmen der Branche interessant. Unterstützung bietet der Automobil-Cluster der oberösterreichischen Wirtschaftsagentur Business Upper Austria. „Für Autozulieferer ist es klug, sich dort niederzulassen, wo bereits Produktionsstätten sind“, empfiehlt Wolfgang Komatz, Manager des oberösterreichischen Automobil-Clusters. „Dort ist die Infrastruktur besser, die Lieferwege sind weniger beschwerlich.“ Die Kooperation mit europäischen Fahrzeugherstellern erleichtert das Key-Account-Management. Durch die enorme Größe des afrikanischen Kontinents ist es auch wichtig, sich früh klar zu werden, in welcher Region man tätig werden will. Eine Wahlhilfe bietet das Programm „Roadmap to Africa“ des Automobil-Clusters. „In Kooperationen mit dem AußenwirtschaftsCenter, dem Exportcenter und weiteren Experten informieren wir gezielt über Wege und Hürden“, so Komatz. Angeboten wird auch der regelmäßige Austausch mit Unternehmen, die bereits im Zielgebiet tätig sind oder sich dort engagieren wollen. „In Afrika tummeln sich Unternehmen aus der ganzen Welt, die gut Fuß gefasst haben. Asiatische Firmen haben die Nase vorn.“ Der Aufbau eines guten Netzwerks sei eine wichtige Erfolgsvoraussetzung.

Chancen nicht verschlafen

„An Afrika wird kein Weg vorbeiführen. Jedes exportorientierte Unternehmen sollte sich rechtzeitig mit diesem Zukunftskontinent beschäftigen“, ist auch Dr. Ekkehard Redlhammer, geschäftsführender Gesellschafter von DYNAXITY Consulting, überzeugt. Neben Unternehmen der einstigen Kolonialmächte Frankreich, England und Portugal haben Betriebe aus China, Indien, Brasilien oder der Türkei die Potenziale Afrikas längst erkannt. „Das größte Hindernis für viele Unternehmen liegt im Kopf“, konstatiert der auf Strategie- und internationale Marktentwicklung spezialisierte Berater, der seine Kunden auch operativ beim Einstieg und bei der Geschäftsentwicklung in ausgewählten afrikanischen Märkten unterstützt. „Für Österreicher besteht die Gefahr, dass sie die Chancen verschlafen“, meint Redlhammer. „Wir sollten jetzt aktiv werden und uns nicht von anderen abhängen lassen.“ Natürlich sei die Erschließung afrikanischer Märkte im Vergleich zu anderen Weltgegenden herausfordernd, schränkt er ein. „Afrika ist kein Kontinent für Erstexporteure, sondern wenn man bereits erfolgreich in andere Regionen der Welt exportiert und dort seine Erfahrungen gemacht hat“, sagt Redlhammer. Dabei sollte die Erschließung afrikanischer Märkte grundsätzlich als langfristiges Engagement betrachtet werden, „Quick Wins“ sind hier eher Ausnahmen. Der Beziehungsaufbau und die Entwicklung der Kontaktnetzwerke sind aufwendig und erfordern entsprechende zeitliche und damit auch finanzielle Ressourcen. „Hat man jedoch einmal das Vertrauen der afrikanischen Geschäftspartner gewonnen, kann man mit dauerhaften Geschäften rechnen“.

Business-Knigge Afrika

Der Kontinent ist durch eine Vielzahl von Ethnien geprägt, die sich in ihren Wertesystemen signifikant unterscheiden. Über Sensibilitäten der einzelnen Bevölkerungsgruppen sollte man sich vorab informieren, um Fauxpas zu vermeiden. Der Aufbau und die Pflege persönlicher Beziehungen, vor allem zu Entscheidungsträgern im staatlichen Sektor, ist entscheidend. Das kostet Zeit und Geld, beides ist bei der Geschäftsanbahnung und beim Markteintritt einzukalkulieren. Herausfordernd ist der Umgang mit Zeit. Wer glaubt, in Afrika Geschäfte rasch abschließen zu können, wird enttäuscht werden. Die Herangehensweisen am schwarzen Kontinent folgen eigenen Gesetzen und lassen sich nicht durch europäisches Zeitmanagement steuern. „Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit“, lautet ein Sprichwort, das Afrikaner europäischen Geschäftspartnern oft augenzwinkernd entgegenhalten. Über die individuellen Gepflogenheiten des jeweiligen Ziellands informieren unter anderem die Länderreports der WKO.

 

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