USA

Große Versprechen, noch mehr Fragezeichen

USA: Große Versprechen, noch mehr Fragezeichen

Unter der Präsidentschaft von Donald Trump scheint die Ära der großen transnationalen Handelsverträge erst einmal vorüber zu sein. Um die heimische Wirtschaft zu schützen, droht der US-Präsident mit Strafzöllen und Grenzsteuern. Firmen sollen in den USA produzieren, die zu Hause gefertigten Materialien sollen möglichst von einheimischen Arbeitern in US-Produkten weiterverbaut und dann im Inland verkauft werden.

Für Österreich sind die Vereinigten Staaten mit einem Exportvolumen von mehr als neun Milliarden Euro nach Deutschland der zweitwichtigste Exportmarkt. Hiesige Unternehmen wie der steirische Anlagenbauer BDI – BioEnergy International beobachten die Entwicklung daher sehr aufmerksam. BDI eröffnete erst im Oktober 2016 die Erweiterung eines bestehenden Werks in Kalifornien. Das Unternehmen ist Markt- und Technologieführer für den Bau von Biodiesel-Anlagen, die aus verschiedenen Rohstoffen wie pflanzlichen Ölen, Altspeiseölen und tierischen Fetten Biokraftstoff mit sehr hoher Effizienz produzieren. Nachdem George W. Bush 2007 die Ethanolproduktion in den USA zu einer nationalen Aufgabe erklärt hatte, führte Barack ­Obama in seiner Amtszeit den sogenannten Biofuel Plan weiter. Wie es unter dem neuen US-Präsident weitergeht, ist aber noch unklar. „Die Gesetzeslage zur nachhaltigen Produktion von Biomasse für die Stromerzeugung war bereits in der Vergangenheit in den USA unsicher bzw. langfristig nicht geregelt. An dieser Situation hat sich bis dato nichts geändert“, erklärt Andreas Ehart, CFO von BDI – BioEnergy. „Noch ist unklar, ob Trump eine langfristige Regelung zur Förderung zu Biotreibstoffen einführen wird. Wir warten ab!“ Um sich gegen die angekündigten Handelsbarrieren zu schützen, setzt das Unternehmen bereits vermehrt auf den lokalen Zukauf von Maschinen und Apparaten in den USA. Auch gegen die starken Währungsschwankungen habe man sich gewappnet. „Wir kalkulieren verstärkt ein gewisses Kursrisiko im Verkaufspreis mit ein und verrechnen in Euro“, so Ehart.

Langfristigkeit durch Globalität

Der Standort USA spielt auch für den oberösterreichischen Flugzeugzulieferer FACC eine zentrale Rolle, die Entwicklung des US-Dollars ist ständig im Visier. „Die FACC-Gruppe ist quasi ein reiner USD-Konzern, da in der Aviation-Industrie der US-Dollar die Handelswährung ist. Der Wechselkurs hat somit für uns große Bedeutung“, erklärt Robert Machtlinger, Vorstandsvorsitzender der FACC AG. Laut Unternehmen werden über 90 Prozent der Umsätze in US-Dollar generiert, aber auch der Großteil der Materialeinkäufe in der amerikanischen Währung beglichen. „Daraus ergibt sich eine natürliche Absicherung für einen großen Teil unseres Währungsrisikos“, so Machtlinger. „Für den verbleibenden risikobehafteten Part setzt die Treasury-Abteilung ein rollierendes Hedging-Model auf Zwölfmonatssicht um. Bei attraktiven Kursen kann der Absicherungshorizont auch verlängert werden.“

Der Wahlsieg Trumps habe bisher allerdings noch keinerlei Veränderungen mit sich gebracht und es werde auch künftig keine Verschlechterung im US-Geschäft erwartet. Als einer der weltweit führenden Luftfahrtzulieferanten von Leichtbauteilen ist die FACC in einer Industrie tätig, die sich durch Langfristigkeit und Globalität definiert. Aufträge und Arbeitsprogramme haben daher überwiegend eine Laufzeit von mehreren Jahrzehnten. Aber die FACC hat direkt am US-Markt vorgesorgt: „Wir haben unseren Standort in Wichita, USA, gegründet, um nahe an den amerikanischen Kunden und Airlines agieren zu können“, sagt Machtlinger. „Grundsätzlich bieten wir so dem lokalen Markt schnelle Reparatur-, Wartungs- bzw. Retrofit-Services an.“ Dabei werden Material und Leistung für die Serviceerbringungen nicht nur importiert, sondern vorrangig im US-Binnenmarkt beschafft, zolltechnisch vorgemerkt und nach Veredelung durch FACC-Technologien in Österreich zur Flugzeugkomponente wieder exportiert. „Für die Luftfahrzeugindustrie gelten aufgrund der globalen Netzwerke schon heute spezielle Zollvereinbarungen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende. „Wir erachten es als nicht wahrscheinlich, dass die Trump-Administration im Bereich Luftfahrzeugindustrie signifikante Änderungen durchführen wird, da mit Boeing, General Electrics oder Pratt & Whitney eine Vielzahl von namhaften Technologie-Unternehmen erhebliche Nachteile bei der Belieferung der Wachstumsmärkte außerhalb der USA haben würde“, betont Machtlinger. „Wichtig ist, die bilateralen Handelsgespräche weiter auszubauen und mittels Handelsabkommen e­inen regelbasierten Handel sicherzustellen!“

Protektionismus

Gefahr für den Aufschwung

Bereits 1930 hatte Amerika sich von der verflochtenen Weltwirtschaft abgekehrt. Damals beschlossen die amerikanischen Parlamentarier den sogenannten Smoot-Hawley Tariff Act, dessen wesentlicher Inhalt darin bestand, die Zölle auf zahlreiche aus dem Ausland importierte Güter radikal zu erhöhen. Das sollte, ähnlich wie bei Trumps Forderungen heute, die heimische Industrie schützen. Fakt war jedoch, dass zwar die Importe rasant sanken, aber auch die Exporte um mehr als 60 Prozent fielen. Die Wirtschaftskrise verstärkte sich, die Weltwirtschaft kollabierte. Donald Trumps Pläne sind nicht ganz so radikal, gehen aber in eine ähnliche Richtung.

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