Innovation

„Innovation ist, wenn der Markt Hurra schreit“

„Innovation ist, wenn der Markt Hurra schreit“

Erfindungen werden erst dann zu Innovationen, wenn sie sich am Markt durchsetzen. Österreich hat eine lange Tradition mit vermarktbaren Ideen und schickt sich gerade an, wieder an die Weltspitze vorzustoßen.

Ein Kleber, der nicht klebt. Wer zum Teufel braucht so etwas? Sicher nicht jene Forscher, die eigentlich an einem wirkungsvolleren, stärkeren und noch kräftigeren Kleber gearbeitet haben. Allein: Der Kleber, der nicht klebt, sondern nur ein Zettelchen vorübergehend mit einem glatten Untergrund verbindet, wurde zu einem Bestseller. Noch heute sind Post-it-Haftnotizen – erfunden von den Forschern der US-Firma 3M – eines der meistverkauften Produkte rund um den Globus (mehr zur Geschichte finden Sie hier).

Aus der Not eine Tugend machen.

Wir schreiben das Jahr 1948: In Österreich fehlt es an Energie bzw. Material zur Energieerzeugung. Billiges Eisenerz ist vorhanden, der steirische Erzberg hat genug davon. Trotzdem nicht die besten Voraussetzungen, um der österreichischen Stahlindustrie die Zukunft zu sichern. Das größte Problem: Das österreichische Schrottaufkommen reicht nicht aus, um mit den damals herkömmlichen Methoden auch nur annähernd den Bedarf zu decken. Die Lösung: das Linz-Donawitz-Verfahren (oder kurz: LD-Verfahren). Eine Innovation, die auf vorangegangene Forschungen und Entwicklungen aufbaut, diese perfektioniert und am Ende die Stahlerzeugung revolutioniert.

Innovation ist, wenn der Markt Hurra schreit.

Zwei Beispiele, die zeigen, was eine Innovation ausmacht. Eine Innovation ist nicht lediglich eine Erfindung. Zur Innovation wird die Erfindung oder eine Idee erst dann, wenn sich diese Idee am Markt durchsetzt. Oder, wie es ein anonymer Zeitgenosse einmal formuliert hat: „Innovation ist, wenn der Markt Hurra schreit.“

In Österreich ist die Kooperation mit Hochschulen stark ausgeprägt.

Open Innovation - Strategie für Österreich

Zurück nach Österreich, diesmal ins Jahr 1958. In diesem Jahr kehrt einer der Väter des LD-Verfahrens an die Stätte seiner Ausbildung zurück. Herbert Trenkler, zuvor Hüttendirektor der VÖEST – wie die heutige voest­alpine AG damals noch hieß – in Linz, wird Ordinarius für Eisenhüttenkunde an der Montanuni Leoben. Er setzt jene Tradition fort, für die die kleinste technische Uni Österreichs noch heute weit über die Grenzen Österreichs bekannt ist: das Zusammenspiel zwischen Wissenschaft und Forschung auf der einen sowie Wirtschaft und Industrie auf der anderen Seite. Mit mehr als 400 Industriepartnern weltweit und zahlreichen Partnerschaftsabkommen mit führenden Universitäten und Forschungsinstituten zählt die Montanuni zu den bestens vernetzten Universitäten Österreichs.

Es besteht noch Potenzial bei der Steigerung des Innovationsoutputs.

Österreichischer Forschungs- und Technologiebericht

Doch nicht nur die Montanuni, auch andere österreichische Universitäten erfreuen sich, wenn es ums Thema Innovation geht, großer Beliebtheit. In dem Strategiepapier der österreichischen Bundesregierung „Open Innovation – Strategie für Österreich“ heißt es: „Stark ausgeprägt ist (hier) vor allem die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Wissenschaft, insbesondere mit Hochschulen: Österreichische Unternehmen arbeiten doppelt so oft (22 Prozent ) wie der EU-Durchschnitt (11 Prozent) mit Hochschulen zusammen.“

Vermarktung verschlingt Milliarden

Innovationen, vor allem deren Etablierung am Markt, kosten viel Geld. Wie viel investiert wird, um eine Innovation zu vermarkten, zeigt das Beispiel Apple. In einem einzigen Jahr (2015) hat der Computerkonzern 1,8 Milliarden US-Dollar in Werbung für seine iPhones, iPads, etc. investiert. Zum Vergleich: Der steirische Chiphersteller ams, dessen Produkte auch in den iPhones stecken, erzielte 2017 einen Umsatz von 1,2 Milliarden US-Dollar. Der Oberösterreich-Konnex: Gegründet wurde austriamicrosystems 1981 als Joint Venture der voestalpine mit dem US-Elektronikkonzern American Microsystems.

Zurück zu Apple: Noch mehr Geld – nämlich 12,7 Milliarden US-Dollar – investiert Apple jährlich in Forschung und Entwicklung (F&E). Summen, die von der klein- und mittelständisch dominierten Unternehmenswelt in Österreich beim besten Willen nicht aufzutreiben sind. Das spiegelt sich im jährlichen Ranking der innovativsten Unternehmen des renommierten US-Wirtschaftsmagazins Forbes wider: Unter den 100 gelisteten Unternehmen ist kein einziges aus Österreich zu finden. Aber auch keines aus Deutschland. Angeführt vom Cloud-Computing-Unternehmen ServiceNow, wird die Liste von US-Companies dominiert, die bestgelistete Firma aus Europa liegt auf Platz 29 – und gehört dem Luxuslabel Hermès.

Andererseits erlauben die KMU-dominierte Struktur und der Fokus auf schmale Nischen auch kaum rot-weiß-rote Sprenkel im Forbes-Ranking. Die Voraussetzung fürs Listing heißt: ein Unternehmenswert von mindestens zehn Milliarden US-Dollar und sieben veröffentlichte Jahresgeschäftsberichte in Folge. Österreichs oft familiengeführte Unternehmen setzen aber selten auf Börsennotierung, sondern lieber auf ein anderes Instrument: Kooperation. Eine Möglichkeit, die an Attraktivität gewinnt – zeigen zumindest die Fakten. „In den vergangenen beiden Jahrzehnten hat sich die Anzahl österreichischer Unternehmen mit Innovationskooperationen auf 22 Prozent, das entspricht 51 Prozent aller innovationsaktiven Unternehmen, mehr als verdoppelt“, heißt es in der Studie „Open Innovation“. Noch zuversichtlicher stimmt die Höhe der Mittel, die hierzulande in Forschung und Entwicklung fließen. 12,34 Milliarden Euro sollen es nach einer Schätzung der Statistik Austria heuer werden. Ein Plus von 5,6 Prozent gegenüber 2017. Österreichs Forschungsquote (F&E-Investitionen im Verhältnis zum BIP) steigt damit neuerlich auf mittlerweile 3,19 Prozent. Mit 3,09 Prozent war die Alpenrepublik schon 2016 hinter Schweden (3,25 Prozent ) Vizeeuropameister und weltweit die Nummer sieben.

Auch bei einem anderen Indikator, der Anzahl internationaler Patentanmeldungen, hat sich Österreich deutlich verbessert. Übrigens, was glauben Sie, in welchem Bundesland 2017 die meisten Erfindungen eingetragen wurden? Richtig, Oberösterreich führt mit 610 Erfindungen (Quelle: Österreichisches Patentamt).

Beteiligungskapital stützt Wachstum von innovativen Unternehmen

Innovativen Unternehmen stehen bei Raiffeisen OÖ eine Reihe von maßgeschneiderten Finanzierungslösungen zur Verfügung u.a. auch Private Equity und Mezzaninkapital.

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