startup300

Auf der Suche nach dem Einhorn von Linz

Auf der Suche nach dem Einhorn von Linz

Linz entwickelt sich gerade zu einem der spannendsten Start-up-Gründe in Mitteleuropa. business sprach darüber mit den Protagonisten der startup300-Initiative. Sie sind auf der Suche nach dem ersten Einhorn Oberösterreichs.

Start-ups brauchen ein entsprechendes Öko-System, um wachsen zu können. Metropolen wie Berlin, London, Barcelona, Tel Aviv gehören zu den besten Böden. Auch in Wien entwickelt sich das Biotop seit einigen Jahren dynamisch. Linz zieht derzeit nach. „Am Standort Oberösterreich ist es, was die Digitalgründungen betrifft, in Wahrheit schon eine Minute nach zwölf“, sagt Bernhard Lehner, neben Michael Eisler Co-Gründer und Vorstand des Business-Angels-Netzwerks startup300. Aber es tut sich einiges im klassischen Industrieland. Die Voraussetzungen sind ja auch exzellent: „Mit der Johannes Kepler Universität beispielsweise und der FH Hagenberg haben wir sehr gute Ausbildungsstätten. Trotzdem gibt es noch relativ wenige Tech-Gründungen.“ Hier setzt startup300 an. Das Netzwerk repräsentiert derzeit etwas mehr als 120 Aktionäre, vor allem aus Oberösterreich, aber auch aus der Steiermark, Wien, Tirol sowie aus dem benachbarten Ausland.

Man sieht sich als „Co-Founder mit vielen Köpfen, wir unterstützen unsere Start-ups nach Bedarf auf allen Ebenen. Das richtige Netzwerk entscheidet, und wir haben alle Telefonnummern“, so Lehner weiter. Investiert werde zumeist in sehr junge Start-ups mit digitalen Produkten, circa 20 Mal pro Jahr. „Wir begleiten unsere Partner von der Seed- über die Growth-Phase bis hin zur Series-A-Finanzierung.“ In den vergangenen zwei Jahren wurden 33 Investments getätigt, in den Größenordnungen von 25.000 bis zu 800.000 Euro. Für die Unterstützung verrechnen die Angels keine Gebühren. „Die verwendete Zeit ist Teil unseres Investments“, so Lehner.

 

Start-Ups in Österreich

In Österreich wurden laut den Aufzeichnungen der Wirtschaftskammer im Vorjahr 40.828 Unternehmen neu gegründet. Das ist ein Zuwachs von knapp sechs Prozent im Vergleich zu einem Jahr davor. 83 Prozent der Neugründungen sind Einzelunternehmen. Knapp neun Prozent sind GmbHs. Fast 30 Prozent sind dem Bereich Personenbetreuung (Seniorenpflege) zuzurechnen.

Unter Start-ups werden jedoch nur jene Neugründungen verstanden, deren Geschäftsidee innovativ ist und die das Ziel haben, als Unternehmen zu wachsen – und zwar bei Umsatz und Belegschaft. Dadurch ist die Skalierbarkeit des Produkts auch oft ein distinktiver Faktor zu anderen Geschäftsneugründungen. Eine Wiener Start-up-Studie rechnet, dass rund acht Prozent der Neugründungen dieser Definition entsprechen würden.

Laut dem European Startup Monitor 2016, verfasst von der Universität Duisburg-Essen, haben drei Viertel der Start-ups in Österreich bereits Kapital von außen erhalten, fast 80 Prozent planen, in den kommenden zwölf Monaten weiteres Kapital zu akquirieren.

 

Raum für neue Ideen

Zum Ökosystem von startup300 gehört auch das Campus-Projekt factory300. „Wir bauen intensiv an einer Begegnungszone zwischen Investoren und Gründern.“ Standort ist die Tabakfabrik Linz. Diese ehemalige Produktionsstätte der Österreichischen Tabakregie, wo früher Zigaretten der Marke „Smart“ hergestellt wurden, ging nach der Stilllegung 2009 an die Stadt Linz und wird seither schrittweise als Atelier, Veranstaltungszentrum, Eventlocation, Coworking Space, Büro, Hörsaal, Praxis, Studio und Werkstatt ausgebaut. Auch die 300er-Initiative will ab 2018 noch mehr Flächen übernehmen und so „Raum für alle Lebensphasen von Start-ups“ schaffen.

Derzeit läuft bereits eine Reihe von speziellen Veranstaltungen in der Tabakfabrik, etwa mit einem Schwerpunkt zum heißen Thema der Blockchains, aber auch diverse Meet-ups, Pitching Days und Ähnliches. Auch andere Locations schauten sich bereits das Konzept von factory300 an: „Wenn man gelernt hat, wie man zusätzlich zu einem Coworking Space auch Ressourcen, Know-how und ein Netzwerk einbringt, dann könnte man das auch woandershin­ bauen – also eine factory301, 302, 303. Wir haben dazu bereits konkrete Anfragen.“

Beratung und Fonds

Zum 300-Netzwerk gehören des Weiteren die Unternehmensberatung think300 und der Venture-Capital-Fonds capital300. Bernhard Lehner: „think300 ist eine Art Reisebegleitung für etablierte Unternehmen, die Anschluss an das Start-up-Eco-System suchen.“ Hier gebe es unter anderem eine Kooperation mit der Industriellenvereinigung Oberösterreich.

Der Fonds capital300 hingegen widmet sich im Ökosystem jenen Start-ups, die in die Wachstumsphase überwechseln, „damit sie nicht scheitern oder zu frühzeitig Anteile an einen strategischen Investor verkaufen“, so der frühere aws-Gründerfonds-Investmentmanager Peter Lasinger, mit dem seinerzeitigen Jajah-Gründer Roman Scharf einer der beiden Partner des Fonds. Bisher haben die beiden in 14 Unternehmen etwas mehr als 80 Millionen Euro investiert sowie mit vier Exits 240 Millionen Euro an Verkaufserlösen generiert. Im neuen capital300-Fonds sind drei bis fünf Investments pro Jahr geplant.

 

 

 

Peter Lasinger und Roman Scharf (v.l,) kümmern sich mit dem Fonds capital300 um Start-ups in der Wachstumsphase.

Peter Lasinger und Roman Scharf (v.l,) kümmern sich mit dem Fonds capital300 um Start-ups in der Wachstumsphase.

 

Digitaler Schwerpunkt

Der Tätigkeitsbereich ist für die Oberösterreicher klar abgesteckt: „Das Digitale ist sicherlich der Schwerpunkt“, so Lasinger, wesentlich sei „ein starker Technologiefokus des Start-ups und die Skalierbarkeit des Produkts“. Rein Brand-orientierte Start-ups im B2B-Bereich seien lediglich dann als Investitionsobjekt für capital300 interessant, wenn eine Techkomponente gegeben sei.

„Ziel ist es schon auch, ein Unicorn schaffen.“ Unicorns, also Einhörner, werden in der Start-up-Szene Unternehmen genannt, deren Exit oder Börsengang den beteiligten Risikokapital-Investoren mindestens eine Milliarde US-Dollar an Erlösen einbringt. Um so weit zu kommen, werden hohe Qualitätskriterien angesetzt und die Unternehmen auch entsprechend in den Aufsichtsorganen begleitet. Investoren sollen Business Angels, Family Offices und institutionelle Kapitalgeber sein. Luft nach oben sei vorhanden: Österreich liege um den Faktor zehn unter dem EU-Schnitt beim Anteil von Risikokapitalfinanzierungen, gar um den Faktor 27 unter dem Level im Großraum London. Die Zusammenarbeit mit der Raiffeisenlandesbank OÖ, die unter anderem auch im Fonds investiert ist, sei dabei „ein Riesenmehrwert“, bestätigt Lasinger, nicht zuletzt weil die Bank eine regionale und internationale Verankerung mitbringe. Alle Unternehmen würden im Laufe ihres Wachstumszyklus eine verlässliche Bank brauchen – beispielsweise für die Fremdkapitalfinanzierung des Working Capitals und Ähnliches.

Innovative Finanzierungslösungen dank der KMu Beteiligungs AG

Die Raiffeisen KMU Beteiligungs AG ist ein Fonds der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG und unterstützt mit Fokus auf die langfristige Finanzierung kleine und mittlere Unternehmen in Oberösterreich beim Generationenwechsel (Nachfolge innerhalb der Familie, Management Buy Out oder Buy In) sowie bei Expansions- oder Investitionsfinanzierungen mit Eigenkapital- und Mezzaninfinanzierungen.

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