DIGITALISIERUNG

Daten statt Worte

Daten statt Worte


Volkswirtschaftler, Historiker und Soziologen sind sich einig: Mit der Digitalisierung begann die vierte industrielle Revolution. Und: Die Umwälzung hat längst begonnen. Auch in Österreich sind die Veränderungen im Alltag der Unternehmen bereits deutlich zu spüren.

Um die Dimensionen der Veränderung fassbar zu machen, lohnt ein Blick in die Geschichte. Vereinfachtes Fazit: Der Mensch stellte benötigte Waren und Produkte jahrtausendelang in Handarbeit her. Bis James Watt mit der Dampfmaschine eine Energiequelle erfand, die auch unabhängig von Muskelkraft oder Wasserläufen Maschinen antrieb. Arbeitsgänge konnten standardisiert und von Maschinen übernommen werden. Das sparte Zeit, stabilisierte die Qualität und senkte Kosten – die Industrie war geboren. Henry Ford dachte das Konzept weiter. Sein Fließband zerlegte den Produktionsprozess auf Einzelschritte, die schnell erlernt waren. Eine neuerliche Revolution. Und dann kamen die Mikroelektronik und der Computer, die Arbeitsabläufe ebenso veränderten wie die Gesellschaft und das alltägliche Leben.
 

Das neue Zeitalter

Jetzt sind wir in der Digitalisierung angelangt. Aus Maschinen werden Roboter, die mit dem Werkstück vernetzt sind und Hand in Hand mit dem Menschen arbeiten. Beileibe keine Zukunftsvision, wie man etwa am Beispiel voestalpine studieren kann. Aus dem einstigen Stahlkocher ist ein in vielen Bereichen weltweit führender Hightechkonzern geworden, für den digitalisierte Prozesse gelebte Praxis sind. Das heißt: Komplexe, vollautomatisierte Produktionsabläufe werden mit intelligenten sensorbasierten Systemen vollautomatisch gesteuert. Ein Eingriff von Menschen ist kaum mehr notwendig.

Die Mitarbeiter werden aber nach wie vor gebraucht, ihr Wissen ist entscheidend“, greift Jens Grünewald, Leiter der strategischen Unternehmensentwicklung der im bayrischen Siegsdorf beheimateten Brückner Group, weit verbreitete Ängste auf. „Sie sollen sich aber besser auf zunehmend komplexe Aufgaben, wie Sicherstellung einer stabilen und effizienten Produktion, konzentrieren können. Auch die Unternehmen der Brückner Group setzen auf Digitalisierung. Den Nutzen für den Kunden illustriert Grünewald anhand einer Anlage zur Herstellung von gereckten Kunststofffolien, in der das Gruppenunternehmen Brückner Maschinenbau Weltmarktführer ist: „Das sind Produktionsanlagen mit bis zu 150 Metern Länge. Den Kunden interessiert nicht, welche der etwa 5.000 Maschinenparameter er an der Anlage wie einstellen kann, sondern welches Produkt in welcher Qualität am Ende herauskommt. Genau hierbei unterstützen wir ihn mit unserem „Intelligent Line Management“ und den dazugehörigen Assistenzsystemen.


Die neue Sichtweise

Vereinfacht gesagt, werden dabei Folieneigenschaften direkt im Prozess gemessen, die digitale Steuerung passt die zahlreichen Parameter ständig an das gewünschte Ergebnis an. Die Folge: Die Bedienung der Anlage wird viel einfacher, Ressourcen wie Energie werden optimal eingesetzt, Effizienz, Produktivität und Flexibilität steigen. Und das Beste: Die Folienqualität bleibt auf einem konstant hohen Niveau. Grünewald: „Statt der Maschinensicht steht jetzt die Prozesssicht bei der Anlagenbedienung im Vordergrund.“

Die flexible, automatisierte und ressourceneffiziente Smart Factory ist das Ziel – und dem werden alle Prozesse untergeordnet. Harald Reiser, Head of Group Treasury – Project Finance bei der Brückner Group, berichtet, dass die Digitalisierung bereits in seinem Bereich angekommen ist: „Prozesse und Aufgaben werden digitalisiert. Treiber hierfür sind europäische Regularien, der Schutz vor Cybercrime und die Reduktion von administrativen Aufgaben.“ Als Beispiel führt er die administrativ aufwendigen Meldepflichten nach der European Market Infrastructure Regulation (EMIR), die den außerbörslichen Handel mit Derivaten regelt, an. Durch die Implementierung automatisierter Systeme muss sich sein Team nicht mehr mit Meldungen ans Registeramt herumschlagen, sondern kann sich auf Kernaufgaben im Konzern-Treasury fokussieren. Reiser: „Der Arbeitsalltag im Treasury-Bereich hat sich bereits geändert – und mit der voranschreitenden Digitalisierung wird er sich noch stärker verändern.“

DIGITALISIERUNG STEIGERT PRODUKTIVITÄT, FLEXIBILITÄT UND QUALITÄT

Jens Grünewald, Brückner Group

Digitalisierung – der neue Megatrend bei Investments?

Digitalisierung bedeutet für viele Branchen, dass sie sich mit tiefgehenden Veränderungen auseinandersetzen müssen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Bei zahlreichen Unternehmen sind gravierende Anpassungen bei Produkten oder Geschäftsmodellen notwendig, damit sie auch weiterhin bestehen können.

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