Digitalisierung

Sinn und Sinnlichkeit

DIGITALISIERUNG: SINN UND SINNLICHKEIT

Die Smart Factory verspricht maximale Effizienz. Der Weg dorthin erfordert aber viel neue Technologie, das Internet der Dinge und schlaue Algorithmen. Doch hat die totale Digitalisierung überhaupt Sinn?

Wann ich will, wo ich will, wie ich will – schon bald werden produzierende Unternehmen mit dieser neuen Art von Kundenwunsch konfrontiert werden. „Es gibt bereits heute Plattformen, auf denen man ein Produkt selbst konfigurieren, maßgeschneidert produzieren und es sich fast ohne Wartezeit liefern lassen kann“, erzählt Gerald Schatz, Geschäftsführer von LCM in Linz. Die drei Buchstaben stehen für Linz Center of Mechatronics und die seit 2001 erfolgreich realisierte Gründungsidee, durch Verzahnung von Wissenschaft, Wirtschaft und industriellem Know-how F&E-Partner für Unternehmen zu sein. Dazu gehört auch die Begleitung auf dem Weg zur Smart Factory, mit der sich die eingangs erwähnten Kundenwünsche befriedigen lassen. Was aber ist die vielzitierte Smart Factory eigentlich? Schatz versucht zusammenzufassen: Die Smart Factory erlaubt die Herstellung eines auf individuellen Kundenwunsch zugeschnittenen Einzelstücks zu den niedrigen Kosten der Massenproduktion. Dazu braucht es jede Menge Technologie. Wie etwa den sogenannten digitalen Zwilling. „Dazu wird entweder eine Maschine oder der komplette Herstellungsprozess in Echtzeit digital simuliert. Der Computer greift ständig in die reale Produktion ein, justiert Maschinen nach, veranlasst den Tausch von Werkzeugen oder optimiert die Energieaufnahme, um die gewünschte Qualität zu niedrigsten Kosten zu gewährleisten“, erklärt Schatz. LCM hat einen autonomen digitalen Zwilling für einen Abkantautomaten, der online in der Maschine mitläuft, bereits realisiert. Als weltweit erstes Unternehmen. Dafür wurden die Linzer für den renommierten Hermes Award 2017 nominiert.

Durch die Smart Factory werden völlig neue Geschäftsmodelle möglich.

Gerald Schatz, Geschäftsführer von LCM in Linz

Maschinen als Entscheider

Je nach Einsatzzweck des digitalen Bruders ist eine entsprechende IT-Infrastruktur nötig. Über digitale Endgeräte, zum Beispiel Smartphones oder Tablets, kann der Benutzer in den Prozess eingreifen. Noch faszinierender: In der Smart Factory gibt es keine hierarchische Automatisierungspyramide, vielmehr sind unterschiedliche Softwareanwendungen in funktionalen Gruppen je nach Anforderungen integriert. Die einzelnen Produktionsebenen sind bedarfsorientiert auf die ganze Welt verteilt. Jeder Teil wird dort produziert, wo es am günstigsten ist. Fällt ein Werk aus, kann in der Sekunde ein anderes Werk übernehmen. Voraussetzung dafür ist die horizontale und vertikale Vernetzung von Maschinen und Produktionsmitteln über das Internet of Things.Die Maschinen errechnen sich selbst den optimalen Output bei vorgegebenen Parametern wie etwa Energieverbrauch oder Auslastung und suchen nach den dafür besten Supply-Routen. Produktionsinputs wie Rohmaterial oder halbfertige Teile sind in das Netzwerk eingebunden. Sie ‚wissen‘ schon im Lager, wann sie benötigt werden, wohin sie fahren müssen, um weiterverarbeitet zu werden, und wo Kapazitäten frei sind“, entführt Schatz in eine nicht mehr allzu weit entfernte Zukunft der industriellen Produktion. „Wenn man diese Prozesse um Technologien wie den 3D-Druck erweitert, ist das eingangs geschilderte Szenario Realität: Der Kunde konfiguriert sich seine Ware, bestellt online, der Produktionsprozess startet, das Endprodukt wird beim Kunden ausgedruckt.Maschinenhersteller werden etwas ihren Kunden daher nicht mehr einfach Geräte verkaufen, sondern Nutzen. Wie etwa die Garantie für eine gewisse Anzahl der vom Käufer zu produzierenden Fabrikate mit vorgegebenen Qualitäten und Eigenschaften (pay per benefit).
 

DIE INNOVATOREN

Die 2001 gegründete Linz Center of Mechatronics GmbH zählt zu den begehrtesten Forschungspartnern im deutschsprachigen Raum. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 110 Mitarbeiter – die meisten davon mit akademischem Background – und kooperiert mit 50 wissenschaftlichen Partnern auf der ganzen Welt, darunter viele hoch renommierte Universitäten. Mehr als 200 nationale und internationale Kunden vertrauen auf die Lösungskompetenz der Linzer, die für ihre Innovationen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden.

Große Münzkunst mit digitaler Hilfe

Genau diese Aufgabe hat die Münze Österreich AG bereits bewältigt. Das Unternehmen ist weltweit für kunstvolle Meisterstücke aus edlen Metallen bekannt, allerdings werden am Firmensitz in Wien auch Euromünzen angefertigt.

Überall dort, wo es unseren Qualitätsanspruch unterstützt, setzen wir digitale Prozesse und computergestützte Automatisierung ein“, erklärt Gerhard Starsich, der die Münze Österreich AG seit 2011 als Generaldirektor leitet. Teile der Fertigungsstraßen werden gerade automatisiert, auch im künstlerischen Bereich ist der Computer angekommen. „Für neue Münzen werden Gipsmodelle erzeugt. Um daraus Prototypen zu fertigen, brauchte man früher mechanische Reduziermaschinen. Jetzt erledigt ein Laserscan diesen Produktionsschritt viel schneller und genauer.“ Auch Innovationen wie die Silber-Niob-Münze werden zuerst am Computer simuliert, „es geht bei uns oft um sehr edle und teure Materialien“, erklärt Starsich. "Erst wenn das Computermodell gefällt, denkt man an die Anfertigung einer Nullserie.“, zeigt er die Grenzen der Digitalisierung auf.

Die Bargeldmenge in Europa steigt pro Jahr um bis zu 10 Prozent.

Gerhard Starsich, Generaldirektor Münze Österreich AG

Bargeld bleibt real

Das Nebeneinander von analoger Realität und digitaler Innovationskraft zieht sich als roter Faden durch alle Belange der Münzproduktion – und bestimmt laut Starsich auch die Zukunft des Geldes selbst. „Digitale Währungen haben durchaus Zukunft. Aber nur als Ergänzung, nicht als Ersatz für Bargeld, Kreditkarten oder Online-Systeme wie Paypal.“ Schließlich produziert allein die Münze Österreich mehr als 450 Millionen Münzen pro Jahr und die Nachfrage nimmt zu.

Die Bargeldmenge in Europa steigt pro Jahr zwischen fünf und zehn Prozent. Das gesamte Transaktionsvolumen wächst zwar noch schneller, was auf Zahlungen mit Kreditkarten und digital abgewickelte Direktzahlungen zurückzuführen ist, aber das Bargeld bleibt in seiner Bedeutung erhalten. Das wird noch viele Jahre so bleiben“, ist Starsich überzeugt. Sogar die Nachfrage nach Goldmünzen ist beständig, „weil Gold seit Jahrtausenden etabliert ist und Sicherheit bietet“. Selbst Sammlermünzen haben eine große Zukunft. „Unsere Serie mit Tiermotiven, die sogenannten Tier-Taler, haben wir extra für junge Sammler aufgelegt. Die komplette Produktion von 50.000 Stück war innerhalb eines einzigen Tages ausverkauft“, führt der Münze-General stolz als Beleg an.

Natürlich will der Nachwuchs nicht auf Computer und Smartphone verzichten, serviciert werden solche Sammler von der Münze Österreich daher digital, über einen eigenen Webshop. Weil, so Starsich, neben der Kooperation mit etablierten Banken wie der Raiffeisenlandesbank OÖ vor allem digitale Vertriebswege immer wichtiger werden.

DIE GELD-GESTALTER

Die Geschichte der Münze Österreich reicht über 800 Jahre zurück, 1988 wurde das einst staatliche Unternehmen ausgegliedert und als Aktiengesellschaft im hundertprozentigen Besitz der Oesterreichischen Nationalbank umgegründet. Das Unternehmen mit seinen ca. 200 Mitarbeitern zählt in der Münzproduktion zur globalen Elite: Die Münze Österreich serviciert nicht nur zahlreiche Länder mit der Herstellung von Umlaufmünzen, unter den jährlich 450 Millionen produzierten Münzen finden sich auch viele weltweit begehrte Sammlerstücke.

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