SPORT

Hart umkämpft

Sport: Hart umkämpft

Für Sportartikel wird in Österreich gerne Geld ausgegeben. Das macht den heimischen Sporthandelsmarkt zu einem der meistumkämpften in Europa und lockt immer mehr ausländische Größen auf den Markt.

Ob Outdoor, Fitness, Laufen, Radfahren, Team- oder Wintersport: 2016 gaben die Österreicher pro Kopf 299 Euro für Sportartikel aus. Heuer könnte es sogar deutlich mehr werden. Erst beflügelten die Olympischen Spiele in Südkorea die Lust auf Wintersport, im Sommer weckt die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland Begehrlichkeiten nach Artikeln für den beliebten Rasensport. Der Einfluss solcher Großveranstaltungen auf Sportartikelhersteller ist tatsächlich groß: Die Fußball-WM in Brasilien 2010 etwa ließ sogar die Aktienkurse populärer Ausrüster steigen. Und das freut natürlich auch den Handel, der am steigenden Absatz von Dressen, Bällen und Schuhen mitverdient.

„Die Sportbegeisterung der Österreicher ist für uns eine positive Herausforderung“, freut sich Intersport-Geschäftsführer Mathias Boenke. „Als die Nummer eins im heimischen Markt blicken wir auf eine zunehmende Geschwindigkeit im Wachstum.“ Die Intersport Austria Gruppe umfasst 110 Händler an über 280 Standorten in Österreich und verzeichnet für das Geschäftsjahr 2016/17 eine Umsatzsteigerung von 15 Prozent. „Wir punkten mit unserem Best-in-Town-Konzept und werden von den Kunden als die erste Adresse für kompetente Beratung wahrgenommen – ob im städtischen Einkaufszentrum oder im Skigebiet am Berg“, so Boenke. Sportartikel sind heute vielseitiger und technisch ausgefeilter denn je. „Wir wollen daher in unseren Shops ein besonderes Einkaufserlebnis schaffen“, erklärt der Geschäftsführer. Das reicht von Kletterwänden und Kältekammern zum Testen von Funktionskleidung bis zu Virtual-Reality-Brillen oder einem Fernrohr, mit dem man seine Lieblingslandschaft im Shop entdecken kann. „Dass am Laufband die eigene Laufstrecke gezeigt wird, ist schon längst möglich. Ein Riesentrend ist natürlich auch die Digitalisierung. Mithilfe von Apps wird der Lieblingssport mit persönlichen Fitnessdaten verknüpft und motiviert zu noch mehr Leistung“, so Boenke. „Gerade zu Weihnachten haben wir einen großen Run auf Sportelektronik gesehen.“ Dem Angriff von Diskontern sieht der Chef des Branchenprimus gelassen entgegen. „Die Österreicher sind anspruchsvolle Kunden und legen Wert auf Qualität“, meint er. „Intersport steht einerseits für eine verlässliche, große internationale Marke mit Tradition und andererseits für die regionale Präsenz mit Händlern, die ihre Kunden und deren Wünsche vor Ort sehr gut kennen.“

82 Prozent der Österreicher sagen, dass sie Sport glücklich macht.

Mathias Boenke, Geschäftsführer Intersport

Wirtschaftsfaktor Fußball-WM

Aufgrund der diesjährigen WM in Russland hofft die Sportartikelbranche auf gute Geschäfte rund um König Fußball. Für den deutschen Sportartikelhersteller JAKO AG kurbelt der WM-Hype das Geschäft an. „Wir profitieren indirekt von der Fußball-Weltmeisterschaft“, sagt Tobias Röschl, Bereichsleiter Vertrieb bei der JAKO AG. Das 1989 gegründete Unternehmen stattet Mannschaften aus verschiedenen Sportarten mit Trikots, Trainingsanzügen, Hosen und Stutzen aus und zählt zu den Top Drei in Deutschland. „Zuletzt verzeichnete der Markt ein leichtes, aber stabiles Wachstum. Auch der Ausblick ist positiv. Eine einheitliche, professionelle Ausstattung wird für Amateurvereine eben immer wichtiger.“ Der Schwerpunkt liegt dabei auf Fußball. Die JAKO AG stattet weltweit mehr als 100.000 Mannschaften in über 50 Ländern aus und beschäftigt 240 Mitarbeiter. „Wir arbeiten eng mit dem Sportfachhandel zusammen“, sagt Röschl. „Eine individuelle Vereinsausrüstung lässt sich nicht von der sprichwörtlichen Kleiderstange in den Einkaufswagen legen“, erläutert Röschl. „Dazu braucht es einen persönlichen Ansprechpartner im Fachhandel und einen Hersteller, der die gewünschte Linie jederzeit und langfristig liefern kann.“

Internet als Informationsquelle

Neben dem stationären Handel gewinnen Onlineshops zunehmend an Bedeutung und sind wichtiger Kommunikations- und Vertriebskanal. Die großen Filialisten ebenso wie zahlreiche Hersteller offerieren daher ihre Waren auch im Netz. „Viele unserer Handelspartner haben mittlerweile erfolgreiche Onlineshops etabliert, mit denen sie überdurchschnittlich schnell wachsen und auch deshalb ein wichtiger Teil unseres Kundenstammes sind“, sagt JAKO-Vertriebsleiter Röschl. Auch die JAKO AG selbst setzt auf das Internet: Händler können im B2B-Onlineshop Produkte bestellen, Artikel abrufen und Marketingmaterialien herunterladen. Auch Intersport-Geschäftsführer Mathias Boenke weiß um den Stellenwert des Online-Business. „Die Grenzen zwischen stationärem Handel sowie E- und Mobile Commerce verschwimmen. Omnichannel heißt das Ziel, eine nahtlose Costumer Experience über alle Kanäle hinweg“, sagt er. „Der Kunde informiert sich im Internet und kommt dann mit seinen Wünschen zu uns. Die Präsentation des Sortiments in unserem E-Shop und die Beratung in unseren ‚Places of Sports‘ werden zu einer perfekten emotionalen Bühne für den Kunden.Laut WKO kaufen sieben Prozent der Österreicher ihre Sportartikel ausschließlich online, 41 Prozent bevorzugen nach wie vor stationäre Geschäfte. Vor allem bei Sportartikeln dient das Onlineangebot oft nur als Informationsquelle.

„Skiausrüstungen sind sehr beratungsintensive Produkte“, weiß Hagan-Ski-Geschäftsführer Franz Siegesleuthner. „Deshalb kommt dem stationären Handel nach wie vor die wichtige Funktion des Absatzmittlers zu. Wichtig ist zum einen die persönliche Beratung durch den Fachhändler vor Ort und zum anderen eine faire Preisgestaltung seitens der Hersteller und Anbieter von Ausrüstungsgegenständen, um den Skisport trotz steigender Lifttickets für den Konsumenten leistbar zu halten.“ Das Familienunternehmen Hagan aus dem oberösterreichischen Antiesenhofen hat sich auf Tourenski spezialisiert und sieht sich als die Marke für alpinistisches Skibergsteigen. „Das Geschäft mit Alpinskiern ist sehr stark durch den Verleih geprägt, man kann es daher als stagnierend betrachten. Erfreulicherweise verzeichnen wir bei Tourenski und Tourenausrüstung ein stetiges jährliches Wachstum von zehn bis 15 Prozent“, sagt Siegesleuthner.

Auch 2018 geht der Trend im Skisport Richtung 'Erlebnis in der Natur'.

Franz Siegesleuthner, Hagan Ski

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Konkurrenz im Anmarsch

Seit der einstige Marktführer Eybl 2013 vom britischen Diskonter Sportsdirect.com übernommen wurde, ist die Branche im Umbruch. Nach wie vor ist Intersport Österreichs Sporthändler Nummer eins, Sportsdirect findet sich nur an vierter Stelle mit einem Marktanteil zwischen 13 und 15 Prozent. Was aber den norwegischen Sporthändler XXL Sports & Outdoor nicht aufhält, einen Versuch in Österreich zu starten. Und zwar ebenso wenig wie die französische Sporthandelskette Decathlon, die ab heuer auch in Österreich mit ihren günstigen Eigenmarken punkten will. Was allerdings Marktführer Intersport genauso kalt lässt wie Jako und Hagan Ski: Sie kennen die Ansprüche ihrer Kunden genau und konnten schon bisher Trends gut antizipieren. Zudem haben sie mit der Raiffeisenlandesbank OÖ einen Bankpartner im Hintergrund, mit dem man auch für stürmischere Zeiten bestens gerüstet ist.

FAKTBOX

Österreichischer Sportfachhandel

Der Gesamtumsatz der Sportartikelbranche in Österreich lag 2016 bei 2,60 Milliarden Euro. Generiert wurde dieser Umsatz mittels Sporthandelsketten, unabhängigen Spezialisten sowie Online- und Single-Brand-Shops. Der Absatz gliedert sich in 34 Prozent für Sportbekleidung, 18,5 Prozent für Schuhe inklusive Verleih, 38,5 Prozent für Sportausrüstung und Accessoires sowie neun Prozent für anderes auf. Insgesamt gibt es in Österreich 1.750 Sporthändler-Standorte mit einer Gesamtanzahl von 10.000 Mitarbeitern. Die Jahreswertschöpfung der Sportwirtschaft liegt bei über 17 Milliarden Euro, das entspricht 5,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes Österreichs. Rund 25 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung treiben hierzulande Sport, das entspricht etwa 1,44 Millionen Personen.

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