Interview

Ekkehard Redlhammer, Exportberater über Chancen und Risiken auf afrikanischen Märkten

„Verlässliche Partner vor Ort sind entscheidend.“

Interview: Ekkehard Redlhammer

Zur Person

Dr. Mag. Ekkehard Redlhammer berät und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmen bei ihrer strategischen Entwicklung und beim internationalen Marktaufbau. Er ist Geschäftsführer des international tätigen Beratungsunternehmens DYNAXITY Consulting GmbH mit Sitz in Linz, Oberösterreich und Partnerbüros in Abidjan (Côte d’Ivoire), Ankara (Türkei), Casablanca (Marokko) und Jakarta (Indonesien). Er ist zertifizierter INCITE-Berater für Export/Internationalisierung, Vortragender bei der WKO Exportakademie und Autor der Studien „Bau- und Infrastruktur in Westafrika“ (WKO) sowie „Chancenpotenziale österreichischer Unternehmen in Subsahara-Afrika“ (BMWFW).

business: Lange spielte Afrika für deutsche und österreichische Exporteure kaum eine Rolle. Warum entdecken nun immer mehr Unternehmen den Kontinent der Chancen für sich?

Ekkehard Redlhammer: Die beeindruckenden Wachstumsraten des Schwarzen Kontinents tragen sicher dazu bei. Länder wie Äthiopien, Côte d’Ivoire, Ghana oder Senegal verzeichnen ein jährliches Wirtschaftswachstum von sieben bis zehn Prozent. Dazu kommt eine rasante Bevölkerungsentwicklung. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Bevölkerung Afrikas von jetzt 1,2 Milliarden auf 2,4 Milliarden Menschen verdoppeln. Das führt zu enormen Bedarfen an Wohnraum, Nahrung, Gesundheitsversorgung, Verkehrs- und Kommunikationsinfrastrukturen. Viele afrikanische Länder haben inzwischen auch ein Entwicklungsniveau erreicht, wo österreichische Unternehmen mit ihren qualitativ höherwertigen und höherpreisigen Produkten reüssieren können. Es sind kaufkräftigere Mittelschichten entstanden, die sich zunehmend bestimmte Konsumgüter leisten können und wollen.

Dennoch ist Afrika für viele österreichische Unternehmen nach wie vor ein unbekannter Kontinent. Und sie müssen aufpassen, nicht den Anschluss zu verlieren. So haben neben zahlreichen westlichen Staaten vor allem Schwellenländer wie die Türkei, Indien und allen voran China die afrikanischen Wirtschaftsräume für sich entdeckt und bauen dort mit nationalen Strategien ihre Einflusssphären im großen Stil aus. In einigen afrikanischen Ländern sind chinesische Unternehmen bereits führend und dominieren den Infrastrukturbereich und den Handel. Bisher hat Europa dem wenig entgegengesetzt. Der ehemalige Kolonialstaat Frankreich etwa verlor seit 2000 50 Prozent seiner Marktanteile im frankophonen Afrika.

 

business: In welchen Bereichen gilt es die größten Potenziale zu heben?

Ekkehard Redlhammer: Die Bedarfe sind grundsätzlich in allen Bereichen riesig, insbesondere im Aufbau von Infrastrukturen für Verkehr, Energie- und Umwelttechnik, Kommunikation, Wohnen oder auch in der Gesundheitsversorgung. Bis 2035 wird die Hälfte aller Afrikaner in Städten leben. Megacitys wie Kairo, Lagos oder Kinshasa mit über 20 Millionen Einwohnern benötigen neben Technologien auch Know-how zur Versorgung ihrer Bewohner. Die Landwirtschaften müssen ihre Produktivität massiv steigern, um konkurrenzfähig zu werden. Möglichkeiten für Exporteure bieten die Lieferung von Technologien ebenso wie Beratung und Dienstleistung. Afrika ist reich an Bodenschätzen, die Nachfrage nach Technologien zur Förderung und Aufbereitung der Erze und Mineralien ist hoch. Afrika hat noch keine wirkliche Industrialisierung erlebt, erst in den letzten Jahren hat sich die Automobilindustrie mit Produktionsstätten angesiedelt. Dies bringt neue Möglichkeiten für den Zulieferbereich. Stark im Wachsen ist auch der Dienstleistungssektor – gerade im Bereich von Mobilfunk und Internet. Die Digitalisierung ist in Afrika bereits voll im Gange. Senegal beispielsweise hat einen nationalen Schwerpunkt auf die Entwicklung eines eigenen IT-Sektors gelegt, was für österreichische Unternehmen im Bereich des Offshore-Outsourcings interessant sein kann.

 

business: Welche drei afrikanischen Länder sind für Sie die wirtschaftlich interessantesten?

Ekkehard Redlhammer: Aus unserer Sicht sind in Westafrika die Wachstumsmotoren Côte d’Ivoire und Ghana sowie in Ostafrika der 100-Millionen-Einwohner-Markt Äthiopien als Wachstumskaiser mit jährlich zehn Prozent plus die spannendsten Optionen. Côte d’Ivoire ist nach Nigeria die zweitgrößte Volkswirtschaft Westafrikas und für Österreich der zweitwichtigste Exportmarkt der Region. Die Afrikanische Entwicklungsbank hat ihren Sitz in Abidjan, und der fixe Wechselkurs zum Euro schließt das Währungsrisiko für Exporteure aus. Côte d’Ivoire verfügt über sehr enge wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zu den ebenfalls stark wachsenden regionalen Nachbarn Ghana, Burkina Faso, Guinea und Senegal und ist als Eintrittstor für Exporteure nach Westafrika prädestiniert. Ein Geheimfavorit ist für uns Tansania. Das ehemalige Deutsch-Ostafrika zeichnet sich seit Jahren durch eine relativ hohe politische und wirtschaftliche Stabilität aus und besticht auch durch jährliche Wachstumsraten um die sechs Prozent. Das Land gilt allerdings bei vielen österreichischen Unternehmen noch als „uncharted territory“.

 

business: Bosch und Daimler weiten ihr Engagement in Afrika stetig aus. Kann sich dieser Mut bezahlt machen?

Ekkehard Redlhammer: Afrikanische Märkte sind nicht einfach. Wer den schnellen Dollar sucht, wird rasch enttäuscht sein. Der Mut, sich in Afrika zu engagieren, macht sich dann bezahlt, wenn man dieses Engagement langfristig anlegt und es als Partnerschaft von gegenseitigem Geben und Nehmen versteht. Geben bedeutet hier nicht nur die Lieferung von Produkten oder Technologien, sondern vor allem auch das Investment in Bildung und den Transfer von Know-how. Einer unserer Kunden bildet etwa vor Ort in Afrika Mechaniker an seinen Anlagen aus. Damit stellt er sicher, dass seine Anlagen nachhaltig korrekt gewartet werden, und er festigt damit seine Vor-Ort-Beziehungen. Gleichzeitig ermöglicht er es den Vor-Ort-Partnern, ihr eigenes Servicegeschäft aufzubauen.

 

business: Wie gelingt der Markteintritt in Afrika?

Ekkehard Redlhammer: Afrika ist ein Kontinent mit 54 teilweise sehr unterschiedlichen Ländern. Man muss sich genau ansehen, auf welche Regionen bzw. Länder man seinen Fokus legt. Das Um und Auf sind verlässliche Partner vor Ort. Wir übernehmen für unsere Kunden in ausgewählten Märkten auch selbst operative Vertriebsaufgaben – vom Lobbying bis hin zum outgesourcten Vertrieb. Wichtiges Thema ist die Finanzierung. Hier ist Kreativität gefragt, sei es in der Erschließung von Förder- und Finanzierungsquellen oder in der Gestaltung von flexiblen Finanzierungsmodellen wie BOT, PPP etc. Österreich genießt auf afrikanischen Märkten grundsätzlich einen sehr guten Ruf, das ist eine sehr große Chance für unsere Exporteure. Allerdings muss man selbst den ersten Schritt wagen. Am Zukunftskontinent Afrika führt jedenfalls kein Weg vorbei.

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