Interview: KEBA – Karl Kletzmaier

KEBA - Karl Kletzmaier im Interview

KEBA-Gründer Karl Kletzmaier ist nicht nur Elektronik-Pionier. Er war auch einer der Ersten, der sich als kleiner Privatunternehmer in exotische Fernmärkte vorwagte.

 

Zur Person

Karl Kletzmaier, 1944 in St. Pankraz nahe Windischgarsten geboren, beschäftigte sich schon in den 1960ern mit Computern. In der Voest lernte er einen anderen Elektronikpionier kennen: Günther Krippner, der sich 1968 selbstständig machte und 1970 mit Kletzmaier im Keller seines Elternhauses die Krippner und Kletzmaier Elektronikbau gründete. Später firmierte das Unternehmen in KEBA um – und ist heute mit zahlreichen Niederlassungen rund um die Welt einer der global führenden Anbieter von elektronischen Branchenlösungen. Krippner zog sich 1997 aus dem Unternehmen zurück, Karl Kletzmaier ist als Aufsichtsratschef der KEBA weiterhin verbunden – und wurde jetzt mit dem Pegasus in Kristall für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Das Interview


business: Herzliche Gratulation zum Pegasus in Kristall. Was bedeuten solche Auszeichnungen für Sie?

Karl Kletzmaier: Es freut einen natürlich, es ist eine Anerkennung und es ist auch das Zeichen, dass man zur Benchmark geworden ist. Aber ich nehme diese Preise nur stellvertretend für unsere Mitarbeiter entgegen, ohne sie hätten wir das nie erreichen können. Aber wenn man so eine Auszeichnung erhält, dann ist es ein Zeichen, dass sich die Karriere dem Ende zuneigt (lacht). Die Schaffenszeit geht zu Ende.
 

business: Die Entwicklung der KEBA lässt vermuten, dass Sie alles ­richtig gemacht haben. Sind auch Sachen danebengegangen?

Karl Kletzmaier: Es gab viele Fehler, Entscheidungen, die man mit dem heutigen Wissen anders treffen würde. Aber wir haben anscheinend mehr ­Sachen richtig als falsch gemacht. Deshalb hat es funktioniert.
 

business: Was waren die größten Erfolge?

Karl Kletzmaier: Dass wir sehr früh international gedacht haben und dieses Geschäft auch aktiv betrieben haben, dass wir uns Projekte zugetraut haben, die für unsere Firma schon fast zu groß waren, und wir es trotzdem schafften. Wir  haben wenige Kunden verloren und immer neue dazugewonnen, darunter viele Weltmarktführer. Lange Geschäftsbeziehungen wecken auch bei Neukunden Vertrauen.
 

business: Sie haben das Unternehmen vor 46 Jahren gegründet, in einer Zeit, in der Sie mit Ihrem Geschäftsfeld in Österreich, aber auch international Pionier waren. Hatten Sie nie Angst zu scheitern?

Karl Kletzmaier: Natürlich, wir hatten x-mal Angst zu scheitern. Aber wir hatten ja nichts. Und deshalb hatten wir auch nichts zu verlieren. Weniger als nichts kann man nicht haben. Kredite bekamen wir früher sowieso nicht, so waren wir gar nicht erst versucht, uns zu verschulden.
 

business: Die KEBA hat sehr schnell große und international renommierte Kunden gewonnen. Wie schafft man das als kleines, junges Unternehmen?

Karl Kletzmaier: Wir waren in der Elektronik ganz vorne dabei, wir waren wirklich die Ersten. Siemens gehörte zu unseren allerersten Kunden: Wir haben ein Gerät gebaut, das Siemens einfach nicht hatte, aber gerne haben wollte. Also haben sie bei uns zugekauft. Wir haben in der Elektronik früher so gut wie alles gemacht. Wir mussten dann im Lauf der Zeit immer mehr Bereiche aufgeben, um in den verbleibenden Feldern tiefer gehen zu können. So kamen wir mit den unterschiedlichsten Unternehmen in Kontakt, wir haben schon sehr früh die österreichischen Exportkaiser beliefert. Das hat uns in die Welt hinausgebracht. Wir haben Inbetriebnahmen in Japan, Südafrika, den USA und anderen Teilen der Welt gemacht.


business: War das der Grund, dass Sie lange vor der Globalisierung als kleines Unternehmen in damals noch exotische Exportmärkte gingen?

Karl Kletzmaier: Das hat sich durch die Aufträge großer Kunden ergeben. Aber man musste sich eben auch trauen! Wir haben immer gesagt: Ja, das schaffen wir! Wir haben etwa die Wasserversorgung in La Paz gemacht. Das war wirklich kein einfaches Projekt, viele haben sich das nicht zugetraut. Wir haben es einfach gemacht.
 

business: Und dann kam das schnelle Wachstum:

Karl Kletzmaier: So schnell ist es am Anfang gar nicht gegangen. Es war ja gar nicht unser Ziel, dass wir weiß Gott wie groß werden. Das Ziel war, dass wir uns mit Dingen beschäftigen können, die uns interessieren, dass wir davon gut leben können und auch noch viel Freizeit haben – das Letzte ist uns nicht gelungen, da sind wir gescheitert (lacht).


business: Zur Zeit der KEBA-Gründung galt das Transistorradio als letzter Schrei, heute sind wir bei Industrie 4.0, Smartphones und virtuellen Realitäten. Wie schafft man es, das Unternehmen für so schnelle technologische Veränderungen zu öffnen und offen zu halten?

Karl Kletzmaier: Es kommt auf das Klima an: Man muss immer Neues zulassen und fördern, dass die Mitarbeiter interessiert sind, dass sie mit ihren Ideen Gehör finden und dass man auch einmal Fehler machen darf oder einen falschen Weg einschlägt, ohne dass gleich Köpfe rollen. Man muss zulassen können. Das Wichtigste aber: Man muss dem Kunden zuhören, herausfinden, was er wirklich will und braucht. Und man muss sich immer mit den neuesten Entwicklungen beschäftigen. Natürlich gibt es auch Rückschläge, die muss man in Kauf nehmen. Aber wir haben Kunden nie im Stich gelassen! Manchmal hat es länger gedauert, manchmal hat es uns mehr gekostet, aber im Endeffekt hat sich das bezahlt gemacht. Wir haben kaum Kunden verloren!
 

business: KEBA ist stark internationalisiert. Wie kriegen Sie die Kulturen und Mentalitäten aus China, Japan, Südamerika und anderen Erdteilen mit österreichischen Wertvorstellungen unter einen Hut?

Karl Kletzmaier: Das Wichtigste ist, dass man den Kunden versteht. Deswegen haben wir in jeder einzelnen unserer Niederlassungen einheimische Mitarbeiter. Und auch sie sind KEBAner – unsere Kultur ist, dass alle Mitarbeiter gleich sind. Egal, woher sie kommen, wie groß die Niederlassung ist oder was sie vorher gemacht haben. Wir versuchen, alle bestmöglich einzubinden. Zum Beispiel sind unsere internationalen Führungskräfte auch sehr häufig bei uns. Nicht nur im Rahmen von Einzelbesuchen, sondern wir versuchen, dass alle gemeinsam hier in Linz sind und wir gemeinsam an Strategien arbeiten. Dann fällt es leichter, die kulturellen Unterschiede vergessen zu machen. Aber den Österreichern fällt das ohnehin etwas leichter als vielen anderen, mit anderen Kulturen umzugehen.
 

business: Wo liegen die Forschungsschwerpunkte der KEBA heute?

Karl Kletzmaier: Wir wollen uns auf den bestehenden Gebieten, in denen wir tätig sind, weiterentwickeln. Unsere Stärken zu stärken, das ist ein Leitmotto von uns. Wir wagen aber auch Neues. So sind wir etwa in das Feld der Energieautomation vorgestoßen, ein Geschäftsfeld mit guter Zukunft, das technologisch zu uns passt. Wir sind ohnehin schon sehr breit aufgestellt. Das hat auch Vorteile: So können wir eben auch unterschiedliche Branchenkonjunkturen gut ausgleichen. Man darf es aber nicht übertreiben, sondern man muss versuchen, vorhandene Technologien in anderen Feldern zu nutzen. Wenn man in jedem Dorf einen Hund hat, rechnet sich das nicht. Die Entwicklungen werden immer komplexer, die Kosten dafür immer höher. Man muss immer mehr von einer Technologie verkaufen, um die Entwicklungskosten entsprechend auf­teilen zu können.
 

business: Die KEBA bietet von Lösungen für Lotterien bis zur Industrie­automation ein sehr breites Feld. War das geplant?

Karl Kletzmaier: Die bestehenden Geschäftsfelder entstanden, weil sie auf einer Technologie beruhen, die wir besonders gut beherrschen. Bei den Lotto-Toto-Terminals etwa: Die Geräte beruhen auf dem Scannen der Schrift, das konnten wir besser als alle anderen, deswegen bekamen wir den Auftrag. Das Know-how dafür hatten wir aus der Entwicklung der Automaten für Bankfilialen zum Scannen von Zahlscheinen.
 

business: Wäre es heute schwieriger, eine KEBA zu gründen?

Karl Kletzmaier: Es gibt auch jetzt Unternehmen, die sich gut entwickeln, und solche, die pleitegehen. Das war bei uns nicht anders. Es hat jede Zeit ihre Chancen, man muss das Richtige machen und es gehört auch Glück dazu. Das Ganze ist sehr schweißtreibend, das darf man nicht vergessen. Man muss auch die Bereitschaft haben, Tag und Nacht zu arbeiten.
 

business: Dafür finden Sie die passenden Mitarbeiter? Die Absolventen von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz den sogenannten MINT-Fächern, bleiben rar.

Karl Kletzmaier: Bisher ist es uns gelungen, es wird aber schwieriger. Wir brauchen mehr MINT-Absolventen. Die Welt wird komplexer, dafür brauchen wir Techniker. KEBA punktet mit interessanten Produkten, der zentralen Lage in Linz/Urfahr und der schönen Arbeitsumgebung. Aber wir haben auch Stellen offen, die wir nicht so schnell besetzen können.
 

business: Wann sind Sie mit der RLB OÖ in Kontakt getreten?

Karl Kletzmaier: Das war schon sehr bald nach der Gründung. Wir hatten Lösungen für die Bankbranche, die gut für die RLB OÖ gepasst haben. Die RLB OÖ ist für uns Bankpartner, aber auch Kunde.
 

business: Passt eine regional stark verwurzelte Bank auch als Begleiter für die internationale Expansion?

Karl Kletzmaier: Sogar viel besser als internationale Bankhäuser. Die Unternehmen kennen sich, auch die handelnden Personen aus Bank und Unternehmen sind miteinander bekannt. Da herrscht mehr Vertrauen, man kann mehr entwickeln, als auf dem Papier möglich scheint.
 

business: Sie haben auch noch andere Unternehmen gegründet, wie etwa die Jetfly. Funktioniert dieser Flugservice in Oberösterreich?

Karl Kletzmaier: Müssten wir vom regionalen Markt leben, gäbe es uns nicht mehr. Wir haben die Achse Salzburg-Linz-Wien und viele interna­tionale Gäste, die wir über Plattformen akquirieren. Ich finde es schade, dass viele Unternehmer und Manager aus Oberösterreich noch nicht erkannt haben, wie viel Zeit und Geld – und Zeit ist ja auch Geld – man mit so einem Service sparen kann. Es gilt noch immer als Luxus.
 

business: Wie sind Sie zur Fliegerei gekommen?

Karl Kletzmaier: Weil ich früher andauernd unterwegs war, interessierte mich die Fliegerei. Also habe ich den Flugschein gemacht. Wir hatten früher während der Woche viel in Deutschland zu tun, am Wochenende war Service. Da bin ich mit einer kleinen Maschine selbst hingeflogen, weil ich so flexibler und schneller war. Als das Geschäft wuchs, reichte der Sicht-Flugschein nicht mehr, und ich machte eine ernsthafte Flugausbildung. Gemeinsam mit Freunden haben wir uns eine Maschine angeschafft. Das Unternehmen wuchs, allerdings haben sich Freunde teilweise aus Altersgründen und teilweise, weil sie ausgewandert sind, zurückgezogen. So ist das an mir hängen geblieben (lacht).

DAS Unternehmen

Die 1968 gegründete KEBA-Gruppe ist in den ­Bereichen Industrieautomation, Bank- und Dienstleistungsautomation sowie Energieautomation tätig. Mit zahlreichen eigenen Niederlassungen ist das in manchen Bereichen weltmarktführende Unternehmen in Asien, Amerika und Europa vertreten, der Firmensitz blieb im Linzer Stadtteil Urfahr. Das von CEO Gerhard Luftensteiner operativ geführte Unternehmen setzte zuletzt 189 Millionen Euro um.

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