Interview: Salinen Austria AG - Peter Untersperger

Salinen Austria AG - Peter Untersperger im Interview

Seit Juli leitet Peter Untersperger die Salinen Austria AG. Im Interview erklärt der erfolgreiche Industriekapitän, wie es mit dem Traditionsunternehmen weitergeht – und was ihn an dieser Aufgabe reizt.

Seit Sommer hat die 1997 privatisierte Salinen Austria AG (Hauptgesellschafter sind seit damals Hannes Androsch und die Raiffeisenlandesbank OÖ) auch einen höchst prominenten CEO an der Spitze: Der einstige Lenzing-Chef Dr. Peter Untersperger zählt zu den renommiertesten Industriemanagern des Landes. business sprach mit ihm über Reiz, Herausforderung und Zukunft der Unternehmensperle.

Zur Person

 

Der 57-jährige Peter Untersperger startete nach dem BWL- und Rechtsstudium als Assistent des CFO in der Lenzing AG. 1999 stieg er nach Auslandsstationen zum CFO auf, 2009 zum CEO. Er sorgte für mehrere Rekordergebnisse. Nach seinem Ausscheiden im Jahr 2015 wurde der vierfache Vater im Juli 2017 zum Vorstand der Salinen Austria AG bestellt.

Das Interview

 

business: Sehr geehrter Herr Dr. Untersperger, nachdem Sie Ihr Mandat bei Lenzing zurückgelegt hatten, wurden Sie mit vielen Führungspositionen in der Industrie in Verbindung gebracht. Wie lange haben Sie gezögert, bis Sie den Salinen zusagten?

Peter Untersperger: Da zögert man nicht. Es ist mir eine große Ehre, von den Eigentümern der Österreichischen Salinen AG gefragt worden zu sein. Die Saline ist ein sehr interessantes österreichisches Unternehmen mit einem attraktiven Naturprodukt.


business: Was reizt Sie an der Aufgabe?

Peter Untersperger: Die Produktpalette, die Eigentümer und der weitere Ausbau der Salz-Spezialitäten.


business: Die Salinen Austria AG gilt als erfolgreiches Traditionsunternehmen, der Ergebnisdruck ist aber hoch. Was sind die größten Herausforderungen, um diese Ertragsziele zu erreichen?

Peter Untersperger: Das sind grundlegende strategische Fragen, die wir intern diskutieren und entscheiden. Wettbewerbsdruck und Preiskampf werden auch im Salzgeschäft immer stärker. Dem muss man mit höherwertigen Produkten, bester Qualität und sehr gutem Service entgegentreten. Da machen wir schon sehr gute Fortschritte.


business: Was sind die Hauptunterschiede zu Ihrer Tätigkeit bei Lenzing? Oder sind die Aufgaben eines CEO in der Industrie ohnehin wenig produktabhängig?

Peter Untersperger: Bis auf die unterschiedliche Größe sind die Tätigkeiten sehr ähnlich: Strategie, Führung, Motivation, Zielvorgaben, Maßnahmen setzen, Entscheidungen treffen, Abstimmung mit den Eigentümern.


business: Das Kernprodukt der Salinen Austria AG ist eines der ältesten Handelsgüter der Mensch­heit. Gibt es da überhaupt noch Potenzial für neue Produktentwicklungen (abseits von Tourismus, Immobilien etc.)?

Peter Untersperger: Salz ist ein wichtiges und sehr gesundes Lebensmittel und wird seit Jahrtausenden in verschiedensten Anwendungen verwendet. Dennoch ändern sich die Geschmäcker der Kunden immer schneller, Essgewohnheiten ändern sich, Gewürzmischungen ändern sich, Natursalz wird immer beliebter. Wenig überraschend, die Vorlieben für verschiedene Salzsorten sind auch sehr länder- und kulturabhängig.


business: Zum Zeitpunkt der Privatisierung hatte die Salinen Austria AG einen Marktanteil von 95 Prozent bei Speisesalz in Österreich. Mittlerweile hat sich viel getan, von Fleur de Sel bis zu Himalayasalz rittern zahlreiche Anbieter mit neuen Salzgeschmäckern um die Gunst des Konsumenten. Ist der Endkonsument für die Salinen Austria AG immer noch wichtiger als der B2B-Bereich?

Peter Untersperger: Der Konsument wird mit dem Ausbau der Salz-Spezialitäten immer wichtiger. Aber auch das B2B-Geschäft mit verpackten Salzsorten bleibt ein wichtiger Bestandteil.


business: Die Salinen Austria AG ist im südosteuropäischen Raum sehr aktiv. Wie wichtig ist dieser Markt für das Unternehmen? Entdecken Sie hier noch ungehobenes Marktpotenzial? Planen Sie, in weitere Länder zu expandieren, etwa in jene Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien, wo das Unternehmen noch nicht vertreten ist?

Peter Untersperger: Südosteuropa ist noch ein vergleichsweise kleiner, aber immer relevanterer Markt. Der Konsum wächst stärker als in Westeuropa, und auch die Koch- und Essgewohnheiten sind sehr unterschiedlich und damit für uns interessant. Und auch der B2B-Verbrauch durch Investitionen von großen Industrieunternehmen steigt weiter.


business: Mit der Lenzing AG haben Sie auch entfernte Märkte wie solche in Asien erobert. Sehen Sie auch für die Salinen Austria AG Chancen in Übersee?

Peter Untersperger: Wir sind in Asien schon längere Zeit aktiv. Diese Märkte sind aufgrund der hohen Transportkosten aber nur für unsere hochwertigsten Salzprodukte wie Natursalz und Pharmasalz interessant.


business: Der touristische Bereich der Salinen Austria AG entwickelte sich sehr positiv. Gibt es da noch neue Möglichkeiten? Braucht es neue Attraktionen, um ein Besuchermagnet zu bleiben, oder genügen die „natürlichen Assets“?

Peter Untersperger: Die Schaubergwerke in Hallein, Hallstatt und Altaussee haben sich in den letzten Jahren bestens entwickelt und wir sehen hier noch weitere Expansionsmöglichkeiten. Hier ist insbesondere die Verbindung von schönsten Naturgegebenheiten mit starker digitaler Information und Unterhaltung eine hochattraktive Kombination und wird von den vielen Besuchern sehr positiv aufgenommen.


business: Beachtlich ist auch der Immobilienbesitz der Salinen Austria AG. Planen Sie eine Verwertung der Immobilien? Schließlich ist das Preisniveau derzeit ausgezeichnet?

Peter Untersperger: Der historisch gewachsene Immobilienbereich der Saline ist ein ganz wichtiger Eckpfeiler unseres Geschäftes. Wir werden das behutsam mit stärkerer Aktivität bei der Hausverwaltung, gezielter Sanierung von guten Bestandsobjekten und dem Neubau weiter aktiv entwickeln.


business: Könnten Sie sich vorstellen, auch die Salinen Austria AG an die Börse zu führen?

Peter Untersperger: Das ist eine Entscheidung der Eigentümer, die derzeit nicht aktuell ist.


business: Mit der Raiffeisenlandesbank OÖ ist ein regional sehr starker Partner in der Eigentümerstruktur des Unternehmens vertreten. Welche Vorteile sehen Sie durch diese Struktur? Haben Sie bereits Erfahrung mit der Raiffeisenlandesbank OÖ?

Peter Untersperger: Die Raiffeisenlandesbank OÖ ist schon seit Beginn der Privatisierung ein wesentlicher Ankeraktionär und begleitet die Saline als Finanzbeteiligung. Wir profitieren enorm vom Finanz-Knowhow und der langjährigen Erfahrung der Raiffeisenlandesbank OÖ.


business: Erlauben Sie mir eine persönliche Frage zum Abschluss: Sie hätten nach Ihrer überaus steilen und erfolgreichen Karriere auch ein wesentlich gemütlicheres Leben führen können, beispielsweise als Immobilieninvestor. Warum haben Sie sich trotzdem entschieden, wieder die fordernde Aufgabe eines Vorstandsvorsitzenden in der Industrie anzunehmen?

Peter Untersperger: Da haben Sie durchaus recht. Aber nach einigen Monaten Pause hat es mich schon wieder sehr gereizt. Ich arbeite sehr gerne und könnte mir nicht vorstellen, ohne Kontakt zu Mitarbeitern, industriellen Herausforderungen und interessanten Führungsaufgaben auszukommen.

 

Das Unternehmen

Die Wurzeln der Salinen Austria AG reichen bis ins Jahr 1449 zurück. Das einstige „Salzmonopol“ der Republik wurde 1979 in eine AG umgewandelt und 1997 zu 100 Prozent privatisiert. Firmensitz ist Ebensee, Salz wird an den drei Standorten Altaussee, Hallstatt und Bad Ischl abgebaut. Insgesamt 520 Mitarbeiter sind in Österreich und den 8 Niederlassungen in Mittel- und Osteuropa beschäftigt. Im Geschäftsjahr 2016/17 lag der Umsatz bei 134 Millionen Euro, der Gewinn bei sieben Millionen Euro.

Artikel hat folgende Inhalte:
Unternehmen
Artikel teilen:

Weitere Artikel

Russland: Das russische Silicon Valley

Interview: Ekkehard Redlhammer

Afrika: Mangel treibt Innovation

Mehr auf Raiffisen Oberösterreich

Copyright 2018 Raiffeisen OÖ. All rights reserved.