Brexit

Keine Angst vor dem Tag Brex

BREXIT: KEINE ANGST VOR DEM TAG BREX

Noch ist der Scheidungsvertrag nicht unterschrieben, noch wird über wichtige Details verhandelt. Aber die Auswirkungen des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union werden auch österreichische Firmen treffen. Manche Unternehmen allenfalls auch indirekt in Regionen, wo man es gar nicht erwartet.

Am 29. März 2019 wird das Vereinigte Königreich nach 45 Jahren Mitgliedschaft die Europäische Union wieder verlassen. Das Votum vom 23. Juni 2016, als sich knapp 52 Prozent der Briten für einen Austritt entschieden haben, wird wohl umgesetzt. Noch ist nicht klar, wie das Scheidungsurteil aussieht, die Verhandlungen laufen.

 

„No Cherry Picking“

Eines haben die verbleibenden 27 Staats- und Regierungschefs der EU mehrfach schon klargemacht: Ein Rauspicken der Rosinen werde man nicht erlauben, einen Zugang zum EU-Binnenmarkt werde es nicht geben, ohne dass auch die Personenverkehrsfreiheit bestehen bleibe. Die war wohl aber der Hauptgrund dafür, dass die Mehrheit der Stimmberechtigten für den Brexit votiert hatte. Noch blieb der große Schock aus, weil eben niemand weiß, wie der Brexit tatsächlich vonstattengeht und wie er sich auswirkt.

 

Grad der Verflechtung

Peter Brezinschek, Head of Raiffeisen Research bei der Raiffeisen Bank International AG, meint: „Die direkten Auswirkungen werden eher überschaubar sein. In London herrscht eine große Skepsis in der Finanzbranche, nicht aber in den anderen Industrien. Weil ja die Formalitäten noch nicht ausgehandelt sind: Wird es eine Freihandelszone, wird es eine Lösung wie ein EWR mit Norwegen oder mit der Schweiz? Es wird alles auf den Grad der Verflechtung ankommen.

 

Indirekte Effekte in Zentraleuropa

Was von den großen österreichischen Konzernen allerdings als Herausforderung gesehen werde, so Brezinschek, seien die „indirekten Effekte, die aus einem voraussichtlich kleiner werdenden EU-Budget ab 2022 entstehen“. Da der Nettozahler UK ausfällt und die anderen 27 dies nicht zur Gänze kompensieren wollen, würden die Mittel für Struktur- und Kohäsionsfonds erwartungsgemäß schrumpfen. „Diese haben schließlich einen signifikanten Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung in Zentral- und Osteuropa.. Andererseits seien derzeit in Osteuropa die Loan-to-Deposit Ratios der Banken unter 100 Prozent. Das heißt, die inländischen Bankeinlagen übersteigen die vergebenen Kredite. Brezinschek: „Wenn es weniger Kofinanzierung von der EU gibt, werden die lokalen Banken attraktive Kreditangebote legen oder der Kapitalmarkt wird ausgebaut.“ Der Aufholprozess der Region werde auf jeden Fall weitergehen, „eine zwischenzeitliche Abkühlungsphase“ aufgrund des Brexits sei aber denkbar.

EIN EVENT ALS CHANCE: Die Wirtschaftskraft der Commonwealth Games

Nur noch selten haben die Briten Gelegenheit, sich als Weltmacht zu fühlen. Die alle vier Jahre in einer anderen Stadt des einstigen British Empires abgehaltenen Commonwealth Games werden auf der Insel daher umso aufmerksamer verfolgt. Die Idee zum sportlichen Wettkampf zwischen Athleten aus „britischen“ Nationen hatte man bereits Ende des 19. Jahrhunderts, heute sind die Commonwealth Games nach den Olympischen Spielen und den Asia Games die weltweit drittgrößte Multisport-Veranstaltung. Mit entsprechenden wirtschaftlichen Auswirkungen. Im April dieses Jahres fanden die Spiele in Gold Coast, Australien, statt. 2022 werden sie im englischen Birmingham ausgetragen. Großbritannien will dafür kräftig und selbstbewusst in die touristische Infrastruktur der Midlands investieren. Für österreichische Exporteure und ihr ausgewiesenes Know-how in diesem Bereich eine hervorragende Gelegenheit, in UK (wieder) ins Geschäft zu kommen.

Siebenjahreszyklen

Thomas Spitzer, Geschäftsführer des Fassadenspezialisten se-austria mit Sitz in Schörfling am Attersee, sieht begrenzte Auswirkungen des Brexits auf das seele-Geschäftsfeld, jedoch werden Vorkehrungen getroffen. Die seele-Gruppe mit dem Headquarter nahe Augsburg besitzt seit über 20 Jahren eine registrierte Firma in UK. „Diese wird vor allem in der Zeit nach dem Brexit wichtig sein, um Projekte in UK akquirieren und abwickeln zu können“, so Thomas Spitzer. „Im Großraum London sowie in einigen anderen wirtschaftlich bedeutenden Zentren in UK haben wir uns seit vielen Jahren vor allem auf die Bereiche Infrastruktur, Retail, Kultur und Bürobauten spezialisiert. Die Bautätigkeit in diesen Marktsegmenten unterliegt einem Siebenjahreszyklus, wir gehen davon aus, dass das auch in Zukunft so sein wird.

Erwartet wird aber weniger Bauvolumen im Bürobereich wegen Teilverlagerungen der Finanzbranche aus London. Thomas Spitzer weiter: „Stärkeren ­Einfluss auf unser Geschäft könnten Änderungen bei Arbeitsgenehmigungen bzw. Einfuhrgebühren haben.“ Hier müsse man die Verhandlungsergebnisse abwarten. „Wir versuchen, unsere Auftragspolster so einzurichten, dass wir über einen Zeitraum von eineinhalb bis zwei Jahren unsere Aufträge in UK gesichert haben, um in Ruhe die Details der Brexit-Vereinbarungen abwarten zu können. Mit Hinblick auf das Wechselkursrisiko haben wir für alle laufenden Aufträge den Wechselkurs gesichert.“ Eine Vorgangsweise, die er auch anderen UK-Exporteuren empfiehlt. Die Raiffeisenlandesbank OÖ ist auch in diesem Bereich bestens vorbereitet.

Wir haben für alle UK-Aufträge das Wechselkursrisiko abgesichert.

Thomas Spitzer, Geschäftsführer se-austria

Netzwerke und Namen

Außerhalb des Großraums London, wo in strukturell schwächeren Regionen die EU-Förderungen wegfallen werden, sei schon jetzt eine nachlassende Konjunktur feststellbar, so Thomas Spitzer. Die österreichische Bauwirtschaft werde aber in spezialisierten Segmenten weiter Chancen haben, so man „über ein Netzwerk und Marktbekanntheit verfügt“. Vorteilhaft ist in diesem Fall auch eine Beziehung zur Raiffeisenlandesbank OÖ: Deren Finanzexperten sind auch auf den Brexit vorbereitet. „Wir stehen gemeinsam mit unseren Partnerbanken vor Ort auch weiterhin allen Kunden aus Österreich und Deutschland mit dem breiten Serviceangebot von Kontoeröffnung bis zu Garantielegung zur Verfügung“, verspricht Jennifer Radner, Head of Correspondent Banking Markt Corporates bei der Raiffeisenlandesbank OÖ. Ein hochwillkommener Sicherheitsanker in den unsicheren Zeiten rund um die Austrittsdebatte. 

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