China

Make China great again

CHINA: MAKE CHINA GREAT AGAIN

Zehntausend Straßenkilometer, eine Eisenbahntraße für den Gütertransport und eine Seeroute: Die neue Seidenstraße, vor fünf Jahren von China ins Leben gerufen, soll Westchina mit Europa verbinden und so den Handel vorantreiben. Ein gigantisches Projekt mit viel Potenzial auch für österreichische Unternehmen.

Wenn sich die neue Wirtschaftssupermacht China an die alte Wirtschaftssupermacht Europa annähert, braucht es einen Superlativ. Die neue Seidenstraße ist so einer. Mit Bauvorhaben und Investitionssummen, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Und der China einen langen Atem verschafft. Die neue Seidenstraße steht für Chinas neues Selbstbewusstsein – ein Land, das sich zum Ziel gesetzt hat, die USA als größte Wirtschaftsmacht der Welt abzulösen. Im Fokus des gigantischen Infrastrukturvorhabens stehen Investitionen zur wirtschaftlichen Belebung Zentralchinas und zur Markterschließung Europas sowie Zentral- und Südostasiens. Das ambitionierte Projekt bietet auch Österreich große Chancen: Heimische Unternehmen können zum einen an den Infrastrukturmaßnahmen und geplanten Investitionen teilhaben und zum anderen von den neu geschaffenen Handelswegen profitieren. Denn das Reich der Mitte benötigt neue Technologien für die Automatisierung, moderne Produkte sowie starke internationale Partner und Marken. Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie hat gemeinsam mit der Außenwirtschaft Österreich und der FFG die Pilotinitiative „Tecxport“ (Technologie und Export) ins Leben gerufen, um das Geschäft mit dem asiatischen Riesen anzukurbeln. Die Raiffeisenlandesbank OÖ hilft beim Nutzen der Chancen in Fernost und ist auf die Bedürfnisse österreichischer Exporteure bestens vorbereitet. „Gemeinsam mit der Partnerbank ICBC unterstützen wir seit 2004 österreichische Unternehmen bei deren China-Aktivitäten zu Themen wie Kontoeröffnung, lokaler Finanzierung, Zahlungsverkehr von und nach China in RMB/EUR/USD, Absicherung RMB-Kursrisiken und vielem mehr“, sagt Danmei Chen-Moltas, MBA, Vice President Correspondent Banking, Raiffeisenlandesbank OÖ.
 

Bereits erfolgreich in China etabliert ist die BWF Group, einer der führenden Hersteller von textilen Filtermedien für die industrielle Entstaubung, Kunststoffprofilen, technischen Filzwerkstoffen und Wollfilzen. Seit 1996 betreibt das Unternehmen zwei Produktionsstätten in Wuxi in der Nähe von Schanghai. „Die Produktion erfolgt auf modernsten Maschinen, wie sie auch an unseren Produktionsstandorten in Europa eingesetzt werden. Entsprechend hoch ist unsere Qualität in China, was uns zusammen mit gutem Service von der Konkurrenz abhebt“, sagt Dr. Philipp von Waldenfels von der BWF Group. In China kämpft man mit vielen Mitbewerbern. „Gerade im Bereich der Produktion von Nadelfilz für industrielle Entstaubung gibt es im Inland mittlerweile rund 200 Unternehmen, die auch vor Produktfälschungen nicht zurückschrecken“, so Waldenfels.

Seit dem Vorjahr ist die chinesische Regierung aber extrem strikt in der Umsetzung der strengen Umweltschutzauflagen. „Das geht so weit, dass Fabriken geschlossen werden und Geschäftsführer von Unternehmen, die Umweltschutzauflagen ignorieren, persönlich zur Rechenschaft gezogen werden. Das wirkt sich natürlich positiv auf unser Geschäft für Luftreinhaltung aus“, freut sich Waldenfels. Eine weitere Stärke der BWF-Niederlassungen in China sind zudem die Vertriebsorganisationen, die über viele Jahre aufgebaut wurden. „Mittlerweile verfügen wir über eine große Anzahl von sehr erfahrenen Verkaufsingenieuren, die bei unseren Kunden für ihre fachliche Kompetenz anerkannt sind.

Wir stehen der Idee der Neuen Seidenstraße sehr offen gegenüber.

Philipp von Waldenfels, Managing Partner der BWF Group

Potenzial für Know-how

Auch der österreichische Pulverlackhersteller Tiger Coatings mit Stammsitz in Wels profitiert von seinen Produktionsstandorten in China. „Wir begrüßen die Seidenstraßen-Initiative“, so CFO Reinhold Freiseisen, „sind aber im aktuellen Umfeld schon gut gerüstet.“ Das Unternehmen eröffnete 1999 im Großraum Schanghai ein Vertriebsbüro. Ein Jahr später wurde die Produktion im eigenen Werk in Taicang hochgefahren, wo lösemittelfreie Pulverbeschichtungen für industrielle Anwendungen hergestellt werden. 2009 wurden die Produktionskapazitäten um mehr als das Doppelte erweitert, auch ein Forschungszentrum wurde angebaut.

Wer in China Geschäfte macht oder ein Unternehmen gründet, muss sich mit landestypischen Besonderheiten auseinandersetzen“, bemerkt Freiseisen. So sei etwa die Betriebstreue der Mitarbeiter in China – im Vergleich zu Österreich – in geringerem Ausmaß vorhanden. „Eine große Herausforderung, denn es dauert lange, Mitarbeiter einzuschulen und eine Kernmannschaft mit Erfahrung im Betrieb auszubilden.“ Zumal die Suche nach qualifizierten Kräften ohnehin nicht einfach sei. „Trotzdem muss man vor Ort sein. Mit unserem Vertriebs- und Produktionsnetzwerk leben wir die Nähe zum Kunden sowie die Geschwindigkeit, die es braucht, um am Markt erfolgreich zu sein“, bestätigt Freiseisen. 

In China muss man sich mit einigen Besonderheiten auseinandersetzen.

Reinhold Freiseisen, CFO Tiger Coatings

Langfristige Partnerschaft

Als Spezialist für Zutrittslösungen und deren Management genießt Skidata weltweites Renommee. Anfang 2018 hat sich das Grödinger Unternehmen mehrheitlich an Cytel Ltd., dem führenden Anbieter von Zutrittssystemen in China, beteiligt und den Eintritt in diesen Markt vorbereitet. „Die Ansprüche chinesischer Kunden an europäische Systeme und Technologie sind hoch“, erklärt Vice President Bruno Stieger. „Sie setzen andere Schwerpunkte als Kunden aus den USA oder Europa. Im Tagesgeschäft ist es ein riesiger Vorteil, mit der jüngsten Skidata-Tochter auf eine etablierte chinesische Organisation zurückgreifen zu können.

Der chinesische Markt habe vorgezeigt, wohin sich die für Skidata hochinteressanten Parking-Systeme entwickeln könnten. Technologien wie LPR (License Plate Recognition) wurden in kürzester Zeit perfektioniert. „Chinesen sind sehr technikaffin und lieben es, neue Technologien auszuprobieren, auch wenn sie noch nicht zu 100 Prozent ausgereift sind“, so Stieger vielsagend. „In China gibt es mehr als 800 Millionen Smartphonebenutzer, die ihre täglichen Einkäufe mit größter Selbstverständlichkeit über ihr Mobile Device bezahlen. Gesetze zum Datenschutz fehlen, das ‚erleichtert‘ die Nutzung dieser Technologien substanziell“, sagt Stieger. Mit dieser Selbstverständlichkeit wollen chinesische Kunden die neuen Technologien auch beim Parken nützen. „Als Digital Solution Provider haben wir umfangreiche Erfahrung auch im Bereich einer effizienten und effektiven Bewirtschaftung von Parking-Systemen gesammelt“, so Stieger. Dementsprechend bietet der riesige Markt in Fernost große Chancen, neue Software und Dienstleistungen zu testen, die Skidata mittelfristig auch in etablierten europäischen Märkten nutzen kann. 

Chinesische Kunden haben hohe Ansprüche an europäische Technologien.

Bruno Stieger, Vizepresident, Region Asia, Skidata

Auf dem Höhenflug

Den umgekehrten Weg erlebte der Luftfahrtzulieferer FACC mit Sitz in Ried. Er gehört seit 2009 mehrheitlich dem staatlichen chinesischen Rüstungs- und Flugzeugkonzern AVIC mit Sitz in Peking. Kein Ausverkauf, sondern eine gewinnbringende Kooperation, heißt es bei FACC. „Seit dem Einstieg von AVIC im Jahre 2009 bauten wir unseren globalen Footprint signifikant aus, konnten über 400 Millionen Euro in Ried investieren, 2.000 Arbeitsplätze schaffen und die Unternehmensgröße verdreifachen“, argumentiert Firmenchef Robert Machtlinger. Weil der chinesische Mehrheitseigentümer der FACC Zugang zum weltgrößten Wachstumsmarkt der Aerospace-Industrie öffnete, entwickelte sich das Rieder Unternehmen zum Technologieführer für zahlreiche Flugzeug- und Hubschrauber-Bauteile.Unsere Geschäftsbeziehung zu China baut auf gegenseitigem Vertrauen, langfristigen Visionen und Strategien sowie einem hohen Maß an Konsensbereitschaft auf“, sagt Machtlinger. „Unsere langjährige Erfahrung zeigt, dass die Zusammenarbeit sehr gut funktioniert.

Seit dem Einstieg des staatlichen chinesischen Rüstungs- und Flugzeugkonzern AVIC hat sich die Unternehmensgröße verdreifacht.

Robert Machtlinger, CEO von FACC

SEIDENSTRASSE 2.0

Die Millionenstadt Chongqing im Südwesten Chinas bildet den zentralen Ausgangspunkt von Präsident Xi Jinpings ehrgeizigem Mammutprojekt. Die neue Seidenstraße mit parallel verlaufender Schienenverbindung soll von China über Kasachstan und Russland bis nach Europa führen und so die Transportzeiten erheblich verkürzen. Mit einem Volumen von 900 Milliarden US-Dollar geht es beim größten Investitionsprogramm seit dem Marshallplan um ein Netzwerk aus Straßen, Eisenbahnen, Häfen und Flughäfen zwischen Asien und Europa. Es geht um die Erschaffung von Infrastruktur, denn hinsichtlich der zunehmenden militärischen Spannungen im Chinesischen Meer zwischen China, Taiwan und Japan sowie den nordkoreanischen Drohgebärden ist die Erschließung alternativer Handelsrouten für China nicht zuletzt angesichts des stagnierenden Wirtschaftswachstums überlebenswichtig. Und es geht um Geopolitik. Früher wurde die Seidenstraße auch als „Achse der Welt“ bezeichnet. Wer sie kontrollierte, beherrschte die ganze Welt. Ob die neue Seidenstraße Chinas Weg zur Weltmacht ebnet, bleibt abzuwarten.

Auslandsgeschäft: Internationaler Erfolg durch know-How und beste Vorbereitung

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