Schweiz

Das Kreuz mit dem Franken

Das Kreuz mit dem Franken

Wie geht es der Schweiz zwei Jahre nach dem Frankenschock?

Am 15. Januar 2015 hob die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs auf. Seither ist der Franken stark gestiegen und die Konjunktur wurde stark gebremst. Denn um mit der Konkurrenz mithalten zu können, verlagerten zahlreiche Schweizer Firmen ihre Produktion ins billigere Ausland oder bauten Arbeitsplätze ab. Für österreichische Unternehmen bietet sich die neue Marktsituation aber gerade deswegen als Chance. Die Schweiz ist viertwichtigster Exportmarkt und mit der Aufwertung des Franken hat das Euro-Angebot an Attraktivität gewonnen. So bieten sich österreichischen Firmen, die bisher noch nicht in die Schweiz exportiert haben, aufgrund der neuen Währungssituation interessante Markteintrittsmöglichkeiten. Andererseits nutzen bereits etablierte Unternehmen ihre Chance zur verstärkten Bearbeitung des Schweizer Marktes.

Bürokratische Hürden

Robert Maurer und Peter Mayer

Robert Maurer und Peter Mayer, Eigentümer des Friseur-Fachhändlers Roma

Ein gutes Beispiel ist der erfolgreiche österreichische Friseur-Fachhändler Roma mit seinem europaweit größten Filialnetz für Friseurbedarf. Vor über 65 Jahren gegründet, ist der Familienbetrieb von Robert Maurer und Peter Mayer mit rund 10.000 Produkten Marktführer in Österreich und hat neben Standorten in Deutschland auch fünf Filialen in der Schweiz. „Der starke Franken hat für unser Unternehmen keine negativen Folgen, da wir keine Finanzierungen des Österreich-Geschäfts in Franken haben“, sagt Eigentümer KR Peter Mayer. Im Gegenteil: „Die Auswirkungen waren eher positiv, da wir unsere Schweizer Tochterunternehmen von Österreich aus beliefern und diese durch den hohen Franken einen günstigeren Einkaufspreis haben.“ Dennoch sei jetzt der richtige Zeitpunkt für Unternehmen, grenzüberschreitende Geschäfte gegen Kursrisiken abzusichern: Schließlich kommt es durch die Entkoppelung des Schweizer Franken vom Euro immer wieder zu Währungsschwankungen. „Die Finanzierung des Schweizer Geschäfts erfolgt mittels Bankgarantien zugunsten Schweizer Banken und für Mietgarantien“, sagt Mayer. „Dabei hat uns die Raiffeisenlandesbank OÖ stark unterstützt und ist stets flexibel und unbürokratisch vorgegangen.“

Guntram Geppert, Geschäftsführer der Geppert GmbH

Um das Währungsrisiko auszuschalten, arbeitet auch die Geppert GmbH bei ihren Aktivitäten in der Schweiz eng mit der Raiffeisenlandesbank OÖ zusammen. „Für Projekte, die in der Schweizer Währung abgeschlossen werden, haben wir bei der Raiffeisenlandesbank OÖ ein Franken-Konto eingerichtet“, so Geschäfts­führer Guntram Geppert. „Die Zahlungseingänge gehen direkt auf dieses Konto. Umgekehrt zahlen wir, ohne zu konvertieren, die Schweizer Mehrwertsteuer-Zahllast, die Zahlungen an Schweizer Zulieferer und Dienstleistungen für Transporte und Kranarbeiten von diesem Konto.“ Die Firma Geppert ist seit über einem Jahrhundert mit der Errichtung von Wasserkraftanlagen beschäftigt. Derzeit werden über 25 Prozent der Umsätze in der Schweiz generiert. „Wir liefern komplette elektromechanische Ausrüstung für Wasserkraftanlagen“, erzählt der Geschäftsführer. „Insgesamt sind unsere Produkte aufgrund der Währungssituation für die Schweizer Energieversorger noch attraktiver geworden.“ Was die gute Stimmung trübt: Die Schweiz scheint sich gegen ausländische Dienstleister abschotten zu wollen. „Wir müssen für die Zulassung zu einzelnen Ausschreibungen bereits ein Domizil in der Schweiz nachweisen“, so Geppert. „Die Einholung von Arbeitsgenehmigungen für unsere Monteure und Techniker für jeden Arbeitseinsatz erweist sich in einigen Kantonen als sehr mühsam und es finden auch regelmäßig Arbeitskontrollen auf den Baustellen statt. Dazu müssen wir Gehalts- und Spesenabrechnungen unserer Mitarbeiter an die Schweizer Behörden liefern – und den Nachweis erbringen, dass unsere Leute während des Einsatzes in der Schweiz nicht schlechter als nach Schweizer Kollektivverträgen bezahlt werden.“ Diese bürokratischen Hürden erfordern einen genauen und langen Planungsvorlauf für die Montagen und erschweren die Einsätze in der Schweiz.

 

Konjunktur-Check

Die Schweizer Exportwirtschaft hat sich nach dem deutlichen Einbruch der Ausfuhren im Jahr 2015 wieder etwas erholt, das BIP soll 2017 real um 1,5 Prozent wachsen. Haupttreiber des – wenn auch verhaltenen – Zuwachses war bisher die Chemie- und Pharmaindustrie. Zulieferbetriebe aus der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie hingegen litten bisher unter dem starken Frankenkurs. Sogar die bisher krisenresistente Uhrenbranche hat mit Problemen zu kämpfen. Dennoch prophezeit die OECD der Schweiz für 2017 ein Exportwachstum von 4,1 Prozent, auch die bisher schwächelnde Binnennachfrage soll endlich deutlich anziehen.

Wettbewerbsdruck steigt

Peter Rungger, Geschäftsführer der Eternit Österreich GmbH

Viel Positives können auch die Nachfolger des legendären Ludwig Hatschek dem Ende der Euro-Bindung des Franken abgewinnen. Hatschek hat sein Verfahren zur Herstellung von Kunststeinplatten aus Faserstoffen und hydraulischen Bindemitteln schon 1901 patentieren lassen und nach dem lateinischen Wort „aeternitas“, zu Deutsch Ewigkeit, sein Produkt ­„Eternit“ getauft. Heute ist die Eternit Österreich GmbH im Bereich Steildach seit Jahren Marktführer in Österreich. Beheimatet ist das Unternehmen zwar in Vöcklabruck, seit 2009 aber Tochter der weltweit agierenden Schweizer Swisspearl Group AG. „Ein Großteil des Exports der Gruppe wird über unsere Schwesterfirma in der Schweiz fakturiert. Nach der Entkoppelung waren unsere Produkte plötzlich um mehr als 15 Prozent teurer als die der Wettbewerber“, erzählt Geschäftsführer Peter Rungger. Bei laufenden Projekten mussten teilweise deutliche Zusatzrabatte gewährt werden. Bei Neuprojekten wirkt sich der Wettbewerbsdruck auf die Schweizer Standorte aber sogar positiv aus, die Produktivität stieg deutlich. Die österreichische Tochter hilft sich mit Finanzinstrumenten gegen allfällige Risiken. „Das Wechselkursrisiko decken wir durch natürliches Hedging bestens ab. Exporte fakturieren wir hauptsächlich in Euro und US-Dollar“, so Rungger. „Wir gehen aber davon aus, dass die Unsicherheiten auf den Finanzmärkten und Wechselkursunsicherheiten weiterhin deutlich spürbar sein werden.“ Die Herausforderung heißt: mit neuen Produkten und Ideen trotz Preisdrucks wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine Alternative dazu gibt es für Eternit ­Österreich nicht. Denn, so Rungger: „Im Gegensatz zu einigen Mitbewerbern wollen wir keinesfalls Produktionswerke im Inland schließen und dies durch Importe aus Billigländern kompensieren.“

Auslandsgeschäft

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